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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 02:25 Uhr

Stralsund : Ozeaneums-Anbau vor Aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wirtschaftsministerium zieht Notbremse / Alternativ will Land den Umbau des Alten Meeresmuseums finanzieren

Die geplante Erweiterung des Ozeaneums um einen 40 Millionen Euro teuren Komplex steht möglicherweise vor dem Aus. Danach will das Wirtschaftsministerium des Landes die Pläne stoppen. Die Tendenz gehe in Richtung Erweiterung des alten Meeresmuseums am Katharinenberg, sagte eine Ministeriumssprecherin gestern. Entscheiden müsse aber der Verwaltungsrat des Deutschen Meeresmuseums, in dem Land, Bund und Kommune vertreten sind.

Hintergrund ist ein Wirtschaftsgutachten, dem zufolge jährlich 1,1 Millionen Besucher in den vier Einrichtungen des Deutschen Meeresmuseums notwendig wären. Erst unter diesen Bedingungen könne sich eine Ozeaneumserweiterung tragen. Land und Bund hatten ihre Fördermittelzusagen über jeweils 15 Millionen Euro an ein positives Ergebnis des Gutachtens geknüpft.

Allein 2013 gingen die Besucherzahlen in den vier Einrichtungen des Museums um rund 100 000 Gäste auf 835 000 Besucher zurück. Ins Ozeaneum allein kamen rund 53 000 Besucher weniger. Offen ist auch, ob der Bund noch bereit ist, Geld für den Ozeaneumsbau zu geben. Bereits Ende Februar hatte sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) angesichts der gesunkenen Besucherzahlen zurückhaltend zu den Plänen geäußert. Die Ozeaneums-Erweiterung sei eine „Vision“, die an die Bedingung geknüpft sei, dass sie sich wirtschaftlich trägt, sagte Grütters damals. Im Gegenzug betonte die Ministerin die Notwendigkeit zum Erhalt und der Pflege des historischen Standorts am Katharinenberg.

Am Stammhaus sind dringende Sanierungsarbeiten erforderlich. Auch ist die Ausstellung nach der Wende nur in Teilen modernisiert worden. Die Kosten für den Umbau werden von der Museumsleitung auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Nach der Eröffnung des Ozeaneums im Jahr 2008 brachen die Besucherzahlen im alten Meeresmuseum drastisch ein – beide Einrichtungen machten sich Konkurrenz.

Die Stadt will derzeit zum geplanten Rückzug des Wirtschaftsministeriums aus der Finanzierung der Ozeaneums-Erweiterung nichts sagen. Bevor der Verwaltungsrat nicht getagt habe, werde man sich nicht äußern, sagte ein Stadtsprecher. Die Sitzung des Verwaltungsrates ist noch im Juni geplant.

Kein anderes Ausstellungszentrum in MV ist so von den Besucherzahlen abhängig wie das Ozeaneum. Der Betrieb des Ozeaneums soll ohne Zuschüsse ausschließlich aus Eigenmitteln finanziert werden – eine Bedingung, die Bund und Land bereits für den 2008 eröffneten Ozeaneums-Bau gestellt hatten. Doch schon damals mussten Bund und Land Geld nachschießen, weil sich die Baukosten von ursprünglich 50 auf 60 Millionen Euro erhöht hatten.

Im Ozeaneum können Besucher seit sechs Jahren auf eine Unterwasserreise durch die Kaltwassermeere der Erde gehen, die Erweiterung sollte sich der Seelandschaft um die Azoren widmen. Einen Förderantrag für den Umbau des alten Meeresmuseums hat die Einrichtung bislang noch nicht gestellt, wie das Ministerium mitteilte.


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