Stralsund : Ozeaneum plant Mega-Aquarium

Mehrere Appartements sollen Sichtfenster bekommen, durch die der Gast direkt in die Ozeantiefen schauen kann. Foto: dapd
Mehrere Appartements sollen Sichtfenster bekommen, durch die der Gast direkt in die Ozeantiefen schauen kann. Foto: dapd

Fast drei Millionen Besucher haben seit Eröffnung des Ozeaneums die weltweit einzigartige Ausstellung zu Europas Kaltwassermeeren besichtigt, nun soll der Komplex um einen spektakulären Neubau erweitert werden.

svz.de von
03. Juli 2012, 06:11 Uhr

Stralsund | Fast drei Millionen Besucher haben seit Eröffnung des Ozeaneums Stralsund vor vier Jahren die weltweit einzigartige Ausstellung zu Europas Kaltwassermeeren besichtigt, nun soll der Komplex auf der Hafeninsel um einen spektakulären Neubau erweitert werden. "Wir möchten unmittelbar neben dem Museum eine Anlage mit einem Mega-Aquarium errichten", sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke.

Mit einem Volumen von 15 Millionen Litern würde das Riesenbecken fast sechsmal so groß ausfallen wie das derzeit größte Aquarium des Ozeaneums, das mit 2,6 Millionen Litern die Unterwasserwelt des Nordostatlantiks präsentiert und damit derzeit Deutschlands Nummer eins im Ranking der Super-Becken ist. Die Kosten für den neuen Komplex würden sich auf rund 40 Millionen Euro belaufen. Der Bau des gesamten Ozeaneums kostete 2008 etwa 65 Millionen Euro.

Eine Hamburger Agentur prüft derzeit, ob das Projekt wirtschaftlich betrieben werden kann. "Wir werden für unsere Stiftung Deutsches Meeresmuseum kein unüberschaubares Risiko eingehen", unterstrich Behnke. Gebaut werde erst, wenn die Wirtschaftlichkeitsanalyse positiv ausfalle und Gelder zur Verfügung stünden. Die Studie soll im Herbst vorliegen.

Den Plänen zufolge wird der Erweiterungskomplex in eine etwa 40 Meter breite Baulücke zwischen zwei historischen Hafenspeichern gesetzt. Die derzeit zum Teil leer stehenden Gebäude sollen zu einem Hotel- und Kongresszentrum umgebaut werden. Für dieses, noch einmal rund 40 Millionen Euro teure Projekt stehe ein Privatinvestor bereit, sagte Benke. Beide Vorhaben sollen zwar unternehmerisch getrennt voneinander betrieben, aber baulich auf spektakuläre Weise miteinander verbunden werden. Nach Benkes Vorstellungen sollen die Gäste zum Beispiel von der Hotellobby aus direkten Einblick in die Unterwasserwelt bekommen. Auch mehrere Appartements sollen mit Sichtfenstern aus mehr als 40 Zentimeter starkem Acrylglas ausgestattet werden, durch die der Gast in seinem Zimmer direkt in die Ozeantiefen schauen kann. Thematisch könnte das Riesenbecken, das zu den größten der Welt zählen würde, die museale Reise durch Europas Meere abschließen.

"Wir wollen die Fischwelt des offenen Atlantiks präsentieren", sagt der amtierende Aquariumleiter Mirko Becker. Unter anderem könnten dort große Haie und Rochen, Wrack- und Zackenbarsche, riesige Congeraale sowie Thunfisch- und Makrelenschwärme gezeigt werden.

Welche Tierarten für die Stralsunder Schaupräsentation am besten geeignet wären, erkundet derzeit die Chefaquarianerin des Ozeaneums, Nicole Kube. Die Meereswissenschaftlerin erfülle sich mit einer einjährigen Privatexpedition einen Lebenstraum und werde in deren Verlauf die Gewässer vor den Azoren betauchen, sagte Museumsleiter Benke. An den vorgelagerten Unterseebergen seien in den vergangenen Jahren viele sehr interessante Fische entdeckt worden. Unterdessen werben die Stralsunder bereits für ihr Vorhaben.

Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei über das Großprojekt in ihrem Wahlkreis informiert. Auch die SPD signalisierte bereits Zustimmung. SPD-Haushaltsexperte und Bundestagsabgeordneter Carsten Schneider, der schon die Fäden zur Finanzierung des Ozeaneums gezogen hatte, kündigte im Juni nach einem Museumsbesuch an, zur Haushaltsdebatte 2013 im Herbst einen entsprechenden Antrag auf Förderung zu stellen. Der Bau könnte dann in vier Jahren beginnen.


Die größten Aquarien der Welt

Mit einem Volumen von 24 Millionen Litern ist das Walhaibecken im Georgia Aquarium im US-Bundesstaat Atlanta das gegenwärtig größte Aquarium der Welt.
- In Japans Okinawa Churaumi Aquarium mit zehn Millionen Litern Inhalt ziehen hinter
einer 22,5 mal 8,2 Meter großen Panorama-Scheibe Rochen und Haie ihre Runden.
- Voraussichtlich im Oktober dieses Jahres wird in Dubai ein 9,35-Millionen-Liter-Becken eingeweiht, in dem 33000 Tiere leben sollen.
- Deutschland spielt in der Liga der Mega-Aquarien bislang noch eine Nebenrolle.
Das bundesweit größte Becken ist das 2,6 Millionen Liter fassende Meeres-Oval im
Stralsunder Ozeaneum.
- Der 25 Meter hohe Aqua-Dom im Berliner Sea Life Center ist mit einer Million Litern Volumen das weltweit größte freistehende Aquarium.


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