Unterschriftensammlung gegen Dammausbau : Ottmanns Aufbäumen gegen Rodung

Der Störkanal dient nur noch touristischen Zwecken und wird dafür auch gern genutzt. Verschwinden die Baumreihen entlang der Ufersäume, wie für die Dammerneuerung vorgesehen, verschwinden auch Nist- und Ansitzplätze von seltenen Greifen. Foto: Ralf Ottmann
Der Störkanal dient nur noch touristischen Zwecken und wird dafür auch gern genutzt. Verschwinden die Baumreihen entlang der Ufersäume, wie für die Dammerneuerung vorgesehen, verschwinden auch Nist- und Ansitzplätze von seltenen Greifen. Foto: Ralf Ottmann

Der Damm eines Teilstücks der Müritz-Elde-Wasserstraße (MEW) und des Stör-Kanals auf Höhe von Neustadt-Glewe soll komplett saniert werden. Dafür müssen 270 Stieleichen und Schwarzbuchen entlang der Ufersäume weichen.

svz.de von
17. Juli 2012, 10:17 Uhr

Neustadt-Glewe | Der Damm eines Teilstücks der Müritz-Elde-Wasserstraße (MEW) und des Stör-Kanals auf Höhe von Neustadt-Glewe soll komplett saniert, dabei um 1,50 Meter erhöht und am Dammgrund bis zu einer Breite von bis zu sechs Metern verbreitert werden. Dafür müssen 270 Stieleichen und Schwarzbuchen entlang der Ufersäume weichen. Nach Auffassung des Naturschützers und ehrenamtlichen Lewitz-Tourismusführers Ralf Ottmann geht in der Folge des Kahlschlages und der umfassenden Bauarbeiten eine einzigartige Landschaft unumkehrbar verloren.

Das Planfeststellungsverfahren ist bereits abgeschlossen und wird amtlich zu Papier gebracht, weiß Ottmann. Federführend liegt die Großbaumaßnahme in der Verantwortung der Wasserschifffahrtsdirektion Magdeburg. Die hat wiederum das Wasserschifffahrtsamt Lauenburg eingeschaltet. Die Stadt Neustadt-Glewe und der Landkreis wurden zur Planfeststellung angehört (SVZ berichtete am 28. Juni). Schon im kommenden Herbst könnte der Eingriff in die Natur beginnen, schätzt Ottmann den Start der Rodung ein.

Zwei Petitionen direkt ans Ministerium durchgewunken

Die erste Petition im vergangenen Jahr an den Deutschen Bundestag hat ebenso wenig für den Naturschützer und Kenner der Lewitz-Naturlandschaft Ottmann ergeben, wie die Antwort auf die zweite vor wenigen Wochen. Der Petitionsausschuss hat das Schriftstück mit den acht Fragen Ottmanns direkt an das in Bonn ansässige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung weitergeleitet. Von dort erhielt der besorgte Beschwerdeführer aus Mecklenburg die allgemeine Antwort, dass im Zuge des Planfeststellungsverfahrens keine beeinflussende Verlautbarung abgegeben werden darf. Doch das Verfahren ist durch und wird schlicht nur noch zu Papier gebracht, wundert es Ottmann.

Mittlerweile hat der seit über 25 Jahren mit dem europäischen Vogelschutzgebiet Lewitz eng verbundene Umwelt- und Naturschützer eine Unterschriftenaktion gestartet. Anfragen können über die Internetseite: www.lewitz-rangertour.de angefordert werden. Unterstützung hat der Aktivist in Sachen Naturschutz bei Mitgliedern der Dömitzer BUND-Gruppe und bei der Grünen-Landtagsabgeordneten Silke Gajek gefunden. Die Politikerin erfuhr im Verlauf ihrer Sommertour von den möglichen Ausmaßen der Dammsanierung und nahm die Problematik gestern mit in die Landtagsfraktion. Die Dömitzer Mitstreiterinnen haben mittlerweile Nägel mit Köpfen gemacht und unterstützen dieses Aufbäumen gegen die drohende Rodung mit einer Unterschriftenaktion innerhalb der Stadt. Rückenstärkung erhält Ottmann auch vom Ehepaar Karl-Heinz und Ingrid Wölk aus Loosen. Beide sind in der Bürgerinitiative organisiert und wollen den Protest von Ottmann zum Schutz der Lewitz weiter in die Öffentlichkeit tragen.

Seitens des BUND-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern erhielt eine Dömitzerin als BUND-Mitglied hingegen eine für sie enttäuschende Antwort aus Schwerin. Aus der Landes-Geschäftsstelle antwortete Corinna Cwielag persönlich, dass der BUND auf Landesebene keine rechtliche Möglichkeit sehe, das Vorhaben an den beiden Bundeswasserstraßen zu stoppen. Kein anderes Ergebnis habe ein Gespräch mit Umweltminister Till Backhaus ergeben. Der BUND-MV besitze nur Klagerecht für Alleen an Straßen. Möglicherweise könnten öffentliche Proteste noch hilfreich sein, wobei der Landesverband seine Unterstützung anbieten würde, so der Inhalt der e-Mail vom BUND.

Das alles sei in der Gesamtheit noch viel zu wenig Gegenwind, urteilte Ottmann im Gespräch mit der SVZ. Er werde jetzt über seine Internetplattform versuchen, bis zum Herbstbeginn noch mehr Menschen zu animieren, diesen Eingriff in das Schutzgebiet doch noch zu verhindern. Aus Sicht des Kenners dieser Landschaft beabsichtigt die Bundesbehörde lediglich die Teilabschnitte zu sanieren, um sie dann möglichst aus dem Bestand herauszulösen und in andere Hände zu geben. "Beide Wasserstraßen besitzen nur noch eine touristische Bedeutung, sind wirtschaftlich unrentabel", ist die Meinung des ehrenamtlichen Lewitz-Rangers: "Für Flora, Fauna, die Tierwelt über und unter Wasser, letztlich für einen sanften Tourismus ist die Lewitz eine Goldgrube."


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