Aufregung im Fangrevier : Ostsee-Fangverbot: Angler laufen Sturm

 
 

Landwirtschaftsminister und Landesverband lehnen Bundespläne ab

svz.de von
17. Juni 2016, 20:55 Uhr

Aufregung im Fangrevier: Das drohende Angelverbot in neuen Naturschutzgebieten in der Ostsee und der sich verschlechternde Gewässerzustand durch Nährstoffeinträge bereiten den rund 100 000 Anglern in Mecklenburg-Vorpommern Sorgen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) plant, zum Schutz der Meere in Gebieten an der Kadettrinne vor Fischland-Darß-Zingst und in der Pommerschen Bucht westlich von Rügen die Freizeitfischerei zu verbieten. Schiffe könnten fahren, Kies dürfe weiter angebaut, Windräder aufgestellt und Pipelines auf den Ostseegrund gelegt werden, aber angeln solle verboten werden: Das sei unverhältnismäßig und würde das Ende der Angelfischerei in der Ostsee bedeuten, lehnte Karl-Heinz Brillowski, Präsident des Landesanglerverbandes MV im Vorfeld des heutigen Verbandstages in Linstow nahe Güstrow die Pläne ab: Der Schutz von Sandbänken und Riffen werde durch die private Angelfischerei mit Handangeln nicht gefährdet, erklärte Brillowski. Jährlich gehen etwa 160 000 Angler in der deutschen Ostsee auf Fischfang.

Hendricks Verbotspläne stoßen mittlerweile auch in den eigenen Reihen auf Gegenwehr: Er lehne ein generelles Angelverbot in der Kadettrinne und der Pommerschen Bucht ab, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern. Allenfalls können über „punktuelle Unterschutzstellungen für besonders bedeutsame Flächen in der Ostsee mit dem Bund verhandelt werden“, bot er einen Kompromiss an.

Die Angler in MV sehen indes auch in den Binnenseen ihre Fische davonschwimmen: Den zunehmenden Nährstoffeintrag in Seen und Wasserläufe sehe man mit Sorge, sagte Brillowski. Noch sei es in den meist fünf bis 20 Hektar großen Angelseen nicht zu größeren Belastungen für die Fische gekommen. Der Verband sei aber mit den Bauern im Gespräch, beispielsweise durch breitere Schutzstreifen den Gewässerschutz zu verbessern, sagte Brillowski: „Da ist aber noch kein Land in Sicht.“

Der Landesanglerverband ist mit seinen 28 Regionalverbänden und 510 Vereinen und mehr als 43 100 Mitgliedern einer der größten Naturschutzverbände in MV. Bei den heute anstehenden Vorstandswahlen will Verbandschef Brillowski ein letztes Mal für das Präsidentenamt kandidieren.  

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