Städtepartnerschaft : Ost-West-Partnerschaften nicht tot

 

 

300 Städte- und Gemeindebeziehungen im Land / Wandel von der Hilfe beim Aufbau der Verwaltung zu Vereins- und Schulkooperationen

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12. August 2015, 08:00 Uhr

25 Jahre nach der Einheit sind deutsch-deutsche Städtepartnerschaften noch nicht tot. Es habe sich aber ihr Charakter gewandelt, sagt Thomas Deiters, stellvertretender Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV. „Am Anfang waren die Partnerschaften vor allem geprägt von der Hilfe beim Verwaltungsaufbau“, so Deiters. „Jetzt pflegen auch Vereine und Schulen, Feuerwehren und Sportgemeinschaften die Partnerbeziehungen.“

Rund 300 Ost-West-Partnerschaften wurden vom Innenministerium gezählt. Wie viele davon noch aktiv sind, kann niemand sagen. Eine Umfrage unserer Zeitung ergab, dass in vielen Städten Partnerschaftsbesuche, gegenseitige Einladungen zu Festen und auch ein regelmäßiger Schüleraustausch Gang und Gäbe sind. In Schwerin waren vor wenigen Wochen zwei Schüler aus dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium der Partnerstadt Wuppertal zum Praktikum im Büro der Oberbürgermeisterin und im Landtag, wo sie Stadtpräsident Stephan Nolte empfing. Der resümierte: „Es ist großartig zu sehen, dass Städtepartnerschaft auch auf Schülerebene funktioniert.“ Nolte ist im Übrigen selbst Wuppertaler und kam Anfang der 90er im Rahmen der Verwaltungshilfe nach Schwerin. Die Landeshauptstadt und Wuppertal sind seit 1987 Partnerstädte. Damals war es die zweite deutsch-deutsche Partnerschaft überhaupt. Inzwischen gibt es gemeinsame Ausbildungswochen, Radtouren von der einen in die andere Metropole, gemeinsame Ausstellungen und einen regen Austausch.

1987 wurde auch die Partnerschaft zwischen Rostock und Bremen besiegelt. Von den Bürgern gelebt wurde sie aber erst nach 1989. Im Januar 1990 organisierte eine Rostocker Bürgerinitiative ein „Volksfest für Bremen“, an dem Tausende von Bremern teilnahmen.

Als die kommunale Selbstverwaltung im Osten stand, erlitt diese Art von intensiven Kontakten eine „Delle“, berichtet der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher. Aktuell gebe es im Nachbarland noch 200 Partnerschaften, von denen zwei Drittel aktiv seien.

„1990 war die Städtepartnerschaft ganz anders, auch viel intensiver“, berichtet auch Anja Danigel aus dem Wismarer Rathaus über die Kooperation mit Lübeck. Aber auch heute gibt es einen regelmäßigen Austausch in einzelnen Bereichen. So haben die Gleichstellungsbeauftragten der beiden Hansestädte im letzten Jahr ein zweitägiges Treffen mit mehr als 100 Frauen aus Wismar und Lübeck organisiert, auf dem die Erfahrungen von Frauen in Ost und West 25 Jahre nach dem Mauerfall beleuchtet wurden.

Partnerschaften in MV gibt es z. B. zwischen Güstrow und Neuwied, Quickborn und Malchow, Neubrandenburg und Flensburg, Stralsund und Kiel, Hagenow und Mölln. Offiziell beendet wurden Partnerschaften in den letzten Jahren nicht, aber mancherorts sind sie inzwischen eingeschlafen. Die Partnerschaft „ruhe“, hieß es z.B. zwischenzeitlich aus dem Bremer Rathaus. Durch die vielen Reformen in den Kommunen hat sich in MV zudem das Phänomen herausgebildet, dass einzelne Gemeinden oder Ämter über mehrere Partnerkommunen verfügen, weil sie bei Gemeindefusionen die Partner der einzelnen Orte mit übernahmen. So hat das Amt Recknitz-Trebetal sowohl das Amt Tellingstedt als auch die Orte Klausdorf/ Schwentine in Schleswig-Holstein als Partner. Der Landkreis Rostock hat in Schleswig-Holstein mit den Kreisen Ostholstein und Plön sowie in Niedersachsen mit Rotenburg/Wümme Verträge.

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