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Wirtschaftsforschung : Ost und West noch lange nicht gleich

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Gut 20 Jahre nach der Wende hinkt der Osten Deutschland laut Wirtschaftsexperten den alten Bundesländern vielfach hinterher. Gleiche Lebensverhältnisse sind auch noch in Jahren reine Zukunftsmusik.

svz.de von
erstellt am 01.Jan.2012 | 07:29 Uhr

Gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West wird es nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) noch lange nicht geben. „Aus ökonomischer Sicht sind wir da noch meilenweit entfernt, das wird auch noch mehrere Jahrzehnte dauern“, sagte der Konjunkturchef des Instituts, Oliver Holtemöller. Die Arbeitsproduktivität pro Erwerbstätigem etwa liege in Ostdeutschland derzeit zwischen 75 und 80 Prozent im Vergleich zu der im Westen, sagte er. Ein Grund dafür sei die unterschiedliche Zusammensetzung der Branchen in Ostdeutschland.

„Die hochproduktiven deutschen Industrien wie der Export- Maschinenbau sind in den alten Ländern angesiedelt“, sagte der Wirtschaftsprofessor. Im Vergleich dazu sei etwa in Sachsen-Anhalt die Nahrungsmittelbranche sehr stark vertreten. Dort sei die Wertschöpfung aber relativ niedrig. Zudem verfüge Ostdeutschland über eine niedrigere Kapitalintensität. Es gebe weniger privates Kapital, das in Unternehmen fließen könne. Ostdeutschen Firmen sei es vor 1990 nicht möglich gewesen, Kapital anzuhäufen.

Ein weiteres Problem in Ostdeutschland sei die Überalterung. „Das führt dazu, dass der Anteil, der arbeitet, niedriger ist als im Westen, weil es in den neuen Ländern mehr Rentner gibt“, sagte Holtemöller. „Ostdeutschland kann nur aufholen, wenn die Arbeitsproduktivität schneller zunimmt als im Westen. Dazu sind innovative Kräfte und Ideen nötig“, sagte der Konjunkturexperte. So müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen, damit gut ausgebildete junge Menschen in den ostdeutschen Ländern bleiben, Familien gründen und möglichst nach dem Studium innovative Firmen gründen. „Dafür bieten gute Bedingungungen zur Kinderbetreuung und gute Studienbedingungen eine doppelte Chance“, sagte er.
Holtemöller sprach sich zugleich klar gegen eine Verlängerung des Solidarpakts aus. Dieser laufe 2019 aus, und daran sollte auch nichts geändert werden. „Man muss erreichen, dass man sich nicht daran gewöhnt, auf Dauer von Subventionen zu leben.“


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