Freilichtmuseum Agroneum in Alt Schwerin : Ost-Landtechnik Marke Eigenbau

<fettakgl>Die Dampfpflug-Lokomotive von 1915</fettakgl>, das Aushängeschild der Einrichtung, ist jetzt in einem gläsernen Gebäude untergebracht.
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Die Dampfpflug-Lokomotive von 1915, das Aushängeschild der Einrichtung, ist jetzt in einem gläsernen Gebäude untergebracht.

Im neuen Agroneum in Alt Schwerin sind alle Traktoren und Maschinen von ostdeutschen Herstellern aus der DDR-Zeit vertreten. Nach fast drei Jahren Umbau öffnet die Einrichtung am 28. Juli ihre Pforten.

svz.de von
20. Juli 2012, 11:58 Uhr

Traktoren und Maschinen aus Schönebeck, Nordhausen, Brandenburg und Zwickau - im neuen Agroneum in Alt Schwerin sind alle ostdeutschen Hersteller aus der DDR-Zeit vertreten. Nach fast drei Jahren Um- und Neubau öffnet die agrarhistorische Einrichtung am 28. Juli ihre Pforten, kündigt Axel Müller an, der den Umbau leitet.

Bereits gestern wurde die Anlage feierlich eingeweiht. Für rund 5,7 Millionen Euro wurde das Freigelände im Kreis Mecklenburgische Seenplatte zu einem Bildungs- und Erlebniszentrum der Landwirtschaft umgestaltet, wobei noch nicht alles fertig ist. "Doch wir können den Besuchern das nicht länger vorenthalten", erklärt Agroneum-Leiterin Anke Gutsch.

Der Umbau ist eine Mammutaufgabe. Die 1963 gegründete Einrichtung gilt seit Jahren als Treffpunkt europäischer Traktoren- und Dampftechnikfans, die sich auch Anfang August hier wieder treffen.

Durch intensives Sammeln - vor allem seit 1990 - verfügt das Agroneum unter anderem über eine der größten Sammlungen von Gerätschaften kreativer Bastler aus Ostdeutschland, konnte das aber bisher nicht zeigen. "Wir hatten drei Gebäude, die bis unter das Dach mit Exponaten voll waren, jetzt konnten wir durch das neue Schaumagazin und zwei Traktoren-Pavillons wenigstens ein Lagergebäude leer räumen", verdeutlicht Gutsch.

Ein Rundgang durch das Schaumagazin mit drei Etagen Technik lässt die Herzen der Bastler höher schlagen. Landwirte und Schlosser glichen im Sozialismus den Mangel an Traktoren und Maschinen immer wieder mit "Marke Eigenbau" aus. So arbeitet eine Mähmaschine mit dem Motor einer Melkanlage. Daneben steht ein Kleintraktor, der aus einem AWO-Motorrad hervorging, andere Kleintraktoren entstanden aus Motorrollern wie "Troll" oder Trabant-Technik. Berührungsängste mit dem Westen gab es bei Bastlern nicht. So hat ein Parchimer eine blaue Antriebsmaschine gebaut, deren Lenkung von einem Lkw, der Motor vom Trabant, die Hinterachse vom "sowjetischen" Moskwitsch und die Vorderachse von Opel stammte. "Der läuft noch, wie vieles hier", sagt die Agroneum-Chefin.

Das Agroneum, zu dem auch außerhalb des Freigeländes ein langer Bauernkaten und eine Schnitterkaserne im Dorf gehören, soll das Leben der Landbevölkerung in den letzten 150 Jahren in Norddeutschland verdeutlichen. Ein Schwerpunkt ist dabei die historische Dampf- und Traktorentechnik - wie gleich vier rund 100 Jahre alte Dampflokomobile zeigen, zu denen sogar ein Zehn-Schar-Pflug gehört.

Zu sehen sind aber auch Holländerwindmühle, Schmiede, Seilerei, Agrarflugzeuge für die Düngung, eine Stellmacherei und eine Feldbahn.

Ein großer Teil des Geldes ist in insgesamt acht Spielanlagen für Kinder geflossen, denn Familien besuchen traditionell gern das Freigelände. Mit dem Umbau sollten die bisher sehr verstreut liegenden Gebäude und Anlaufpunkte konzentriert und die Sammlungen moderner präsentiert werden. Doch es gibt noch viel zu tun: So steht in der eigentlichen Präsentationshalle bisher nur ein 215 PS-starker Traktor K-700 aus russischer Produktion: "Hergestellt in Leningrad", steht auf dem Schild des elf Tonnen schweren, roten Geräts. Aus Leningrad wurde inzwischen St. Petersburg, die vor 50 Jahren gebauten K-700 laufen auf manchen Landbetrieben noch immer.

Für eine moderne Vorführung fehlen auch noch ein paar Medienangebote. "Die kommen etwas später", sagt Gutsch. Mit Provisorien kann man im Osten eben immer noch gut umgehen. Die Betreiber hoffen jährlich auf 50 000 Besucher.

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