Ortstermin auf Parchims Straßenstrich

So macht der Straßenstrich Sinn: Radler nutzen das Angebot.
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So macht der Straßenstrich Sinn: Radler nutzen das Angebot.

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11. Mai 2012, 06:33 Uhr

Parchim | Ein Tagesstart wie im Bilderbuch. Die Sonne strahlt in vollen Zügen und viele Parchimer sind schon vor acht Uhr mit Kind und Kegel unterwegs. Am Fischerdamm reiht sich Stoßstange an Stoßstange und andere treten kräftig in die Pedale. Rita Hirte schiebt ihr Rad vorsichtig bis an die Fahrbahnkante. Mehrfach der geübte links-rechts-links-Blick und der Rentnerin gelingt endlich die Straße schiebend zu überqueren. "In Parchim lebt man als Radfahrerin nicht ganz ungefährlich", gibt sie zu bedenken. "Vor einigen Jahren hat mich ein Auto umgefahren. Darunter leide ich bis heute. Da ist schon gut, wenn für die Sicherheit der Radfahrer in Parchim mehr getan wird", sagt die ältere Dame mit Blick auf den Schutzstreifen, der seit Monaten vom Moltkeplatz bis kurz vor die Adolf-Diesterweg-Schule reicht.

Doch der neuartige Straßenstrich, der seit acht Monaten vor allem für Gesprächsstoff, aber wenig Akzeptanz sorgt, scheint vielen Fahrradfahrern nicht sonderlich zu gefallen.

Bei einem SVZ-Ortstermin auf Parchims Straßenstrich wollen wir gemeinsam mit Lutz Jakobi, Verkehrsexperte des zuständigen Fachbereiches der Stadtverwaltung, die Situation unter die Lupe nehmen. Kurz vor acht Uhr pulsiert hier der Verkehr. Sowohl aus Richtung Moltkeplatz als auch aus der Gegenrichtung Mühlenstraße sind jede Menge Autos und reichlich Fahrräder unterwegs. Nur auf dem Straßenstrich ist nicht viel los. Von 18 gezählten Pedalrittern nutzen in rund fünf Minuten nur zwei (!) den Schutzstreifen, mit dem die Fahrbahn optisch getrennt wurde. "Das ist leider oft so", räumt Lutz Jakobi enttäuscht ein.

Ganz anders sieht es derweilen auf dem gegenüberliegenden Gehweg aus, der an der still gelegten Eldemühle vorbei führt. In beiden Fahrtrichtungen sind dort Radler zum Teil mit ihren Kindern unterwegs. "Sie verstoßen gegen alle Regeln", stellt Jakobi klar. Schließlich gelte auch in Parchim, dass das Radfahren auf Gehwegen nur Kindern bis acht Jahren vorbehalten ist. Für ältere Pedalritter sind Wege tabu. "Hier kontrolliert gelegentlich die Polizei, aber das hat offenbar keine nachhaltige Wirkung", räumt Lutz Jakobi ein.

Die Idee, den Fischerdamm mit einem Schutzstreifen für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen, schien zunächst vielversprechend. Die Stadt wollte unter dem Druck der Radfahrer, die ihre Interessen bislang nur ungenügend berücksichtigt sahen, mit dem Straßenstrich ein Zeichen setzen. Auf einem rund 400 Meter langen Abschnitt wurde auf der rechten Fahrbahnseite im Abstand von 1,60 Metern zum Gehweg ein "Kaltplastik-Schmalstrich" aufgebracht. Die weißen, reflektierenden Balken sind zwölf Zentimeter breit, einen Meter lang und in gleichen Abständen unterbrochen. Damit entspricht es den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung, die dies im Paragraphen 42 im Detail regelt. Es ist ein Angebot für die Radfahrer, die aufgrund des Rechtsfahrgebotes daran gebunden sind. Für die Kraftfahrer gilt, wenn keine Radfahrer behindert werden wie beispielsweise in verkehrsarmen Abend- oder Nachtstunden, können die Linien ausnahmsweise überfahren werden. Die gegenseitige Rücksichtnahme hat Priorität.

Die wenigen Piktogramme mit einem Fahrradsymbol auf dem Asphalt dienen als "optische Hilfe", werden bei Kraftfahrern, Fußgängern und Radlern aber kaum wahrgenommen. "Da müssen wir womöglich nachbessern und die Zahl der Piktogramme erhöhen", räumt Jakobi ein. Ohnehin hat sich der Straßenstrich bereits nach wenigen Monaten abgenutzt. Da werden die Mitarbeiter des Betriebshofes schon bald nachbessern müssen. "Wir haben mit diesem Schutzstreifen die verkehrsrechtlichen Möglichkeiten voll ausgeschöpft. Jetzt sind die Radfahrer am Zuge", meint der Experte. Eine junge Frau, die den Schutzstreifen demonstrativ meidet, sieht das ganz anders: "Die Autos überfahren die Striche und bedrängen die Radfahrer. Das ist mir zu gefährlich."

Nach dem Motto "Kommt Zeit, kommt Rat", hoffen die Initiatoren, dass die Akzeptanz des Straßenstriches wächst. "Vielleicht hilft auch ein Beitrag in der Parchimer ZEITUNG", sagt Lutz Jakobi.

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