Meinung : Orientierungsprobleme wegen Helene

Helene Fischer
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Helene Fischer

Warum es ein Unding ist, dass sich der Landtag Mecklenburg-Vorpommern mit der Musikfarbe des öffentlich-rechtlichen Landessenders befasst

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19. April 2015, 20:18 Uhr

Dass Politik und Medien in einem zwanghaften Abhängigkeits-Verhältnis leben, liegt auf der Hand. Beide brauchen, ja bedingen einander und versichern sich min- destens einmal jährlich, wie sehr sie sich schätzten – als Gerücht des Jahrhunderts.

Wirtschaft und Politik sind es gleichermaßen gewohnt, wenn ihnen täglich von Journalisten ihre Arbeit um die Ohren gehauen wird. Und Journalisten kennen ihren Ruf bei beiden gesellschaftlichen Gruppen – Liebe wäre etwas anderes.

Gelegentlich fühlen sich auch bei Radio und Fernsehen Politiker berufen, den Rundfunkleuten mal wieder Denkhilfe zu geben, den scheinbar blinden Medienleuten den Weg zu weisen zu müssen. Zum Beispiel, welche Musik angeblich vom Gebühren zahlenden Publikum erwünscht sei, womöglich besser goutiert würde. Zum Beispiel „Atemlos“ von Helene Fischer, der niedlichen Schlager-Gigantin.

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Die Profis in den Sendern sehen das regelmäßig anders. Aus guten Gründen. Sie kennen das Geschäft, ihr Publikum und sitzen nicht sinn- los tagelang mit Kopfhörern vor ihren Plattentellern, obwohl sie ihren Markt kennen.

In Mecklenburg-Vorpommern haben es ein paar Politiker jetzt tatsächlich fertig gebracht, wieder einmal dieses Thema zu beleben, das zu den abgestandensten Antiquitäten vieler Jahrzehnte deutscher Rundfunk-Landschaft zählt. Deutsch müsse geträllert und gesungen wer- den. Das deutsche Kulturgut stehe auf dem Spiel, und – man finde sich nicht wieder im angeblich abgehobenen Angebot der arroganten Redaktionen und ähnlichen Unsinn, der nur eines beweist: Die Abwesenheit jeglicher Kenntnis, wie Popular Music, Publikum und Radio funktionieren.

Wie viel Grundschulunterricht müssen die Fischer-Fans verpasst haben! Dabei ist es so einfach: Abschalten, umschalten, neue Sender einstellen, Tonträger kaufen oder leihen etc.

Aber so weit ist es noch nicht, dass Politiker in einer gesetzlich-deutsch perfektionistisch versiegelten Rundfunklandschaft den Amateur-Platten-Jockey machen, weil sie mutmaßen, auch davon verständen sie etwas. Tun sie nicht. Das ist unzählige Male ausdiskutiert, um nicht zu sagen – zu Tode disputiert worden. Wofür gibt es schließlich „Medientage“ – und das seit Jahrzehnten.

Zum Schluss noch einen einfachen Hinweis: Wenn Hörern das Angebot „ihres“ Senders nicht passt – nichts lieben Sender mehr als das Echo einer aufmerksamen Hörerschaft. Nur – dafür braucht niemand die Politik als Zwischenträger. Diese kann sich stattdessen wieder ihren eigenen Drucksachen zuwenden, wo sie zu Hause ist, wovon sie etwas versteht, und wofür sie zuständig ist. Für Helene Fischer ist es ihr Management. Aber Helene schickt sicher ihren atemlosen Fans in Mecklenburg-Vorpommern gerne ein Original-Autogramm. Ganz Fischer.

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