Noch Streitpunkte in Organspende-Debatte : Organspende-Reform weckt Hoffnung

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Chance für tausende Sterbenskranke oder übertriebene Hoffnung? Der Bundestag will nun einen Schlusspunkt unter die Debatten über eine Organspende-Reform in Deutschland setzen. Hinter den Kulissen wird noch gerungen.

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18. Mai 2012, 10:41 Uhr

Berlin | Chance für tausende Sterbenskranke oder übertriebene Hoffnung? Der Bundestag will nun einen Schlusspunkt unter die jahrelangen Debatten über eine Organspende-Reform in Deutschland setzen. Hinter den Kulissen wird noch auf der Zielgeraden leidenschaftlich gerungen.

Am 25. Mai will das Plenum abschließend über die Reform beraten. Auf der Tagesordnung steht zum einen die Änderung des Transplantationsgesetzes, die die Kliniken zu eigenen Beauftragten für die Transplantation verpflichten soll. Auf den Intensivstationen sollen mögliche Organspender erkannt werden.

Für viele Experten ist das die wichtigere Neuerung. Denn bei vielen Hirntoten - nur ihnen können Ärzte Organe entnehmen - stellen die Krankenhäuser heute die Frage nach einer lebensrettenden Verwendung von Herz, Leber oder Niere gar nicht. Dennoch steht im öffentlichen Fokus weit mehr das ebenfalls zur Verabschiedung anstehende Gesetz über die Entscheidungslösung.

Bisher muss man sich aktiv darum gekümmert haben, wenn man als Spender infrage kommen will. Künftig sollen alle ausdrücklich aufgefordert werden, eine Entscheidung abzugeben. Die Versicherten über 16 Jahren bekommen dafür Informationen und einen Spenderausweis von ihren Krankenkassen regelmäßig per Post. Am Dienstag beraten die Fachpolitiker der Fraktionen die letzten Details zu den Gesetzen.

Es ist ein Angstthema für viele - ändert sich etwas an der Behandlung nach einem fatalen Unfall, wenn man eine Spendeerklärung abgegeben hat? Nein, sagen die maßgeblichen Experten. Auf den Wartelisten stehen rund 12 000 Patienten. Täglich sterben davon im Schnitt drei Menschen. Doch wie wird die erwünschte Auseinandersetzung mit dem Thema erreicht - und wie erschwert?

Bis zuletzt umstritten ist beispielsweise die geplante Aufgabe der Krankenkassen: Sie sollen die Entscheidung künftig auf der elektronischen Gesundheitskarte eintragen dürfen. Die Grünen-Gesundheitsexpertin Elisabeth Scharfenberg findet jedoch, "man sollte das Thema Organspende nicht mit dem heiklen Thema Datenschutz bei der Gesundheitskarte verknüpfen". Letzten Streitpunkten zum Trotz - die Reform wird kommen. Doch selbst Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wagt nicht vorherzusagen, um wie viel die Wartelisten kleiner werden. Scharfenberg meint: "In das Gesetz zur Entscheidungslösung werden mehr Erwartungen gesetzt, als es zu erfüllen in der Lage ist."

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