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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 16:45 Uhr

Organspende ohne Altersgrenze

vom

svz.de von
erstellt am 03.Jun.2011 | 08:53 Uhr

Derzeit warten rund 12 000 schwer erkrankte Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan, allein 8000 auf eine Niere. Alle acht Stunden stirbt ein Patient auf der Warteliste. Alarmierend ist, dass die Organspendezahlen bis April 2011 im Vergleich zum Vorjahr erheblich zurückgegangen sind. Zum heutigen Tag der Organspende wird bundesweit über Organtransplantationen informiert und für Solidarität geworben.

Unser Lesertelefon Extra zu diesem brisanten Thema fand große Resonanz. Am häufigsten wurde die Frage nach einer Altersgrenze gestellt. Susan Novak und Judith Vogler vom Info-Telefon Organspende, einem Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), beantworteten die Fragen.

Komme ich mit meinen 67 Jahren überhaupt noch als Organspender infrage?

Ja natürlich. Es gibt keine feste Altersgrenze. Entscheidend ist immer das biologische und nicht das kalendarische Alter. Die älteste Organspenderin war über 90 Jahre alt, als nach ihrem Tod funktionstüchtige Organe entnommen wurden. Auch die Niere eines älteren Menschen kann zum Beispiel einem Dialysepatienten wieder ein fast normales Leben schenken. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann ohnehin erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch überprüft werden.

Welche Erfolgsaussichten haben Organübertragungen?

Sehr gute. 85 Prozent der transplantierten Nieren sind nach einem Jahr noch funktionstüchtig, nach fünf Jahren sind es noch 70 Prozent. Bei den anderen Organen liegen die Erfolgsraten nur geringfügig darunter.

Ich habe einen Organspendeausweis und mich zur Spende bereiterklärt. Wie wird sichergestellt, dass man auch wirklich tot ist, wenn Organe entnommen werden?

Zur Feststellung des Todes gelten die Richtlinien der Bundesärztekammer. Das heißt, zwei Ärzte, die nichts mit der Transplantation zu tun haben, müssen unabhängig voneinander den Hirntod zweifelsfrei feststellen. Sonst wird nicht transplantiert.

Wie sehen die Toten nach der Organentnahme aus? Kann man sie noch einmal sehen?

Ja, Angehörige können danach in jeder gewünschten Weise Abschied nehmen. Sie können dabei erkennen, dass die Operationswunde wie bei einem lebenden Patienten verschlossen worden ist. Der Leichnam wird in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben.

Wird man als Organspender registriert, wenn man einen Organspendeausweis ausgefüllt hat?

Nein, es erfolgt keine Registrierung. Es genügt, wenn man einen Ausweis ausfüllt und diesen stets bei sich trägt. Man sollte aber immer die Familie über die Entscheidung informieren.

Woher bekommt man einen Spendeausweis?

Man kann ihn beim Infotelefon Organspende unter 0800/90 40 400 oder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anfordern. Auch viele Krankenkassen, Krankenversicherungen, Apotheken, Krankenhäuser, Einwohnermeldeämter und Arztpraxen stellen Spendeausweise zur Verfügung. Aus dem Internet kann der Ausweis über organspende-info.de oder fuers-leben.de heruntergeladen werden.

Muss man den Spendeausweis immer bei sich tragen?

Das wäre gut, am besten beim Personalausweis. Falls das nicht geht, sollte man auf jeden Fall eine Person seines Vertrauens über seine Entscheidung zur Organspende informieren und ihr sagen, wo der Ausweis zu finden ist.

Können auch Jugendliche unter 18 Jahren einen Organspendeausweis ausfüllen?

Ja, laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist nicht notwendig.

Welche Organe und Gewebe kann man überhaupt spenden?

Nach dem Hirntod können folgende Organe und Gewebe entnommen und übertragen werden: Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen.

Ist es möglich, einzelne Organe von der Spende auszuschließen?

Ja, Sie können in Ihrem Spendeausweis festlegen, welche Organe oder Gewebe Sie spenden würden und welche nicht. Begründen müssen Sie das nicht.

Vor 15 Jahren hatte ich Krebs. Hat es überhaupt Sinn, dass ich mir einen Organspendeausweis besorge?

Ob Organe entnommen werden können, entscheidet sich erst im Falle eines Hirntodes. Es ist jedoch sinnvoll, wenn Sie Ihre Erkrankung und wann diese auftrat auf dem Ausweis vermerken. Wer allerdings eine akute Krebserkrankung oder eine HIV-Infektion hat, kann keine Organe spenden.

Gibt es für die Organspende Geld?

Nein, denn das Transplantationsgesetz schreibt vor, dass die Spende ausschließlich auf einer freien, humanitären Entscheidung beruhen soll.

Weiß der Empfänger des Organs, wer es gespendet hat?

Nein, die Spende ist anonym. Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer das Organ erhält. Auf Wunsch wird Ihnen aber mitgeteilt, ob die Transplantation erfolgreich verlaufen ist.

Können gespendete Organe für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden?

Nein, wer seinen Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellen möchte, kann sich an ein anatomisches Institut einer Universitätsklinik wenden.

Welche Organe kann man spenden, wenn man noch lebt?

In Deutschland können ein Teil der Leber sowie eine der zweifach vorhandenen Nieren lebend gespendet werden. Allerdings erlaubt das Gesetz die Lebendspende nur für Verwandte ersten oder zweiten Grades, zum Beispiel Eltern und Geschwister, für Ehepartner und Verlobte oder für andere Personen, die dem Spender persönlich sehr nahe stehen.

>> HIER GIBT ES INFORMATIONEN

Organspendeausweise und Informationsmaterial können unter dem gebührenfreien Infotelefon 0800/90 40 400 bestellt werden.

Per E-Mail geht das unter order@bzga.de sowie unter infotelefon@dso.de, im Internet unter organspende-info.de oder fuers-leben.de,

per Fax unter 0221/8992257,

per Post bei der BZgA, 51101 Köln, oder über die DSO, Deutschherrnufer 52, 60594 Frankfurt am Main.

Folgende Broschüren kann man kostenlos bestellen: „Wie ein zweites Leben?“ - anschauliche und fundierte Informationen der BZgA zu Organspende und Transplantation in Deutschland, inklusive Organspendeausweis; „Antworten auf wichtige Fragen“ - knappe Einführung der BZgA ins Thema, inklusive Organspendeausweis.

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