zur Navigation springen

Rostocker Bürgerschaft verbietet Gespräche mit Schwerin : Orchesterfusion? Maulkorb für OB Methling

vom

Einmaliger Vorgang: Die Rostocker Bürgerschaft hat ihrem Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) per Dringlichkeitsbeschluss untersagt, Gespräche über eine Orchesterfusion zwischen Rostock und Schwerin zu führen.

svz.de von
erstellt am 06.Apr.2012 | 05:09 Uhr

Das dürfte in der Parlamentsgeschichte einmalig sein: Die Rostocker Bürgerschaft hat ihrem Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) per Dringlichkeitsbeschluss untersagt, Gespräche über eine Orchesterfusion zwischen Rostock und Schwerin zu führen. In dem von der Linksfraktion initiierten Antrag heißt es wörtlich: „Die Bürgerschaft fordert den Oberbürgermeister auf, Verhandlungen bezüglich einer Fusion der Norddeutschen Philharmonie mit der Staatskapelle Schwerin nicht aufzunehmen bzw. umgehend zu beenden. Nach Beschlusslage der Bürgerschaft gibt es keine Handlungs- und Legitimationsgrundlage für eine Fusion beider Orchester...... Die Eigenständigkeit der Norddeutschen Philharmonie ist nicht nur aus künstlerischer Sicht zu erhalten, sondern auch gemäß Theaterkonzept wirtschaftlich vernünftig.“

Im Klartext bedeutet das, die Pläne des Landes zu einer Orchesterholding bzw. zu Kooperationen zwischen den großen Theatern des Landes werden in Rostock auf taube Ohren stoßen. Mehr noch: Zugleich beschloss die Bürgerschaft „den Erhalt der Norddeutschen Philharmonie als eigenständiges Orchester des Volkstheaters Rostock im Vier-Sparten-Betrieb.“ Will die Rostocker Bürgerschaft ernst genommen werden, bedeutet das, dass sich das Volkstheater an einem wie auch immer gearteten neuen Theaterkonzept des Landes nicht beteiligt. Hintergrund ist ein Gespräch am Dienstagabend zwischen der Kultursenatorin Liane Melzer, Methling und dem Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung Gerald Mertens über Haustarife, die Zukunft des Volkstheaters und der Norddeutschen Philharmonie. Die Orchestervereinigung befürchtet, dass eine Fusion mit der Mecklenburgischen Staatskapelle das Schrumpfen beider Orchester auf je 55 Musiker bedeuten könnte – das kostet 21 Arbeitsplätze in Rostock, 13 in Schwerin.

Methling, der derzeit in Schweden sein Osterfest verbringt, sagte unserer Redaktion: „Wir haben uns in dem Gespräch zu einer beabsichtigten Personalentwicklung nicht festgelegt. Dazu fehlt uns ein inhaltliches und finanzielles Konzept für die Zukunft des Volkstheaters.“ Vor wenigen Tagen hatte sich Methling am Rande einer Veranstaltung in Schwerin zudem mit Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) getroffen, um über die Finanzsituation der einzigen beiden kreisfreien Städte und über den kommunalen Finanzausgleich zu sprechen. Auch dabei sei man in Sachen Theater nicht konkret geworden, versicherte er.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) „bedauert“ den Beschluss der Rostocker Bürgerschaft. „Wir haben immer betont, dass Voraussetzung für Finanzhilfen oder die Unterstützung bei einem Theaterneubau die Bereitschaft zu konstruktiven und ergebnisoffenen Gesprächen ist“, warnt er deutlich. „Die Türen vorzeitig zuzuschlagen ist der falsche Weg.“ Das Ministerium schließt nach wie vor Spartenreduzierungen oder Fusionen nicht aus. Im NDR sagte die Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow: „Wir haben eine Strategie zusammen.“ Für die Fusion gibt es seit Jahren verschiedene Szenarien, die aber immer wieder scheiterten – auch eine Trägerschaft des Landes war zeitweise im Spiel. Letzte Planspiele sehen eine Orchester-Holding zwischen Rostock und Schwerin vor. Das Land hatte angekündigt, die Folgekosten einer Fusion mitzutragen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen