zur Navigation springen

Als falscher Künstler : Opfer in die Sex-Falle gelockt?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der gestern vor dem Rostocker Landgericht begonnene Strafprozess gegen Michael W. (44) wegen versuchter sexueller Nötigung ist nicht ohne Brisanz

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 19:44 Uhr

Der gestern vor dem Rostocker Landgericht begonnene Strafprozess gegen Michael W. (44) wegen versuchter sexueller Nötigung ist nicht ohne Brisanz – schon allein wegen der Vorgehensweise des Angeklagten und seiner Vorgeschichte. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, sich an Lisa K. (22) mit dem Vorwand herangemacht zu haben, von ihr einen Ganzkörper-Gipsabdruck gegen Geld anfertigen zu wollen. Als er versucht habe, die junge Frau dabei mit rosafarbenen Plüschhandschellen zu fesseln, gelang ihr die Flucht.

Michael W., der sich freischaffender Künstler nennt, ließ gestern seiner Fantasie freien Lauf. Schon lange würde er Tierköpfe, Hände und Büsten aus Pappmaché herstellen, die als Buchständer ihren Absatz finden. Im Dezember 2012 bekam er einen Garten in der Kolonie Goldwiese, Parzelle 145, geschenkt. Dort wollte er nun mit den Ganzkörper-Gipsskulpturen beginnen. Dazu habe er im Mai 2013 Anzeigen veröffentlicht, um an weibliche Nacktmodelle zu kommen, berichtete er. Acht Frauen, darunter Lisa K. und ihre Freundin Sandy H. hätten sich gemeldet. Es sei eine rein wirtschaftliche Sache gewesen, denn pro Abdruck sollte jedes Mädchen 2500 Euro bekommen. 3000 Euro wollte ein Käufer aus Hamburg zahlen, der 36 Gipsfrauen in erotischer Stellung bestellt hatte. Zunächst hätte er die Modelle in allerlei Posen nackt fotografiert.

Wie die Skulptur aussehen sollte, durften die Mädchen dann selbst auswählen. Er hätte schnell arbeiten müssen, weil Lisa K. und Sandy H. das Geld auf die Hand haben wollten. Am 19. Juli 2013 war Lisa K. an der Reihe. Sie lag mit dem ganzen Körper im Gips, auch das Gesicht war mit der Paste bedeckt. „Sie sollte ein Hohlkreuz machen und dabei zog ich an ihrem Oberschenkel“, berichtete der Angeklagte. Plötzlich sei sie zusammengezuckt und habe gerufen: „Warum fesselst Du mich?“ Er habe aber nur ihre Hände angefasst, weil er fürchtete, dass der Abdruck zerbrechen könnte. Wahrscheinlich hatte sie Platzangst, weil ja auch das Gesicht bedeckt war, meinte er. Angetan habe er ihr jedenfalls nichts. Sie hätten sogar am Abend im Garten noch Wein getrunken und Nachbarn hätten sich zu ihnen gesellt.

Anschließend rühmte er sich, der jungen Frau viel Gutes getan zu haben. So wollte er ihr in München einen BMW kaufen und in Wismar eine eigene Wohnung besorgen. Aber der Vorsitzende Richter brachte ihn mit seinen Fragen auf den Boden der Tatsachen zurück. Das seien alles nur Versprechen gewesen, um das Vertrauen der Frau zu gewinnen. Doch Michael W. war nicht zu bremsen. Er berichtete von einem Überfall in der Gartenkolonie, den Lisa K. mit zwei unbekannten Männern ausgeführt haben soll. Sie hätten alle fertigen Skulpturen in ein Auto geladen, ebenso Mappen mit Fotografien und von ihm 30 000 Euro verlangt. Einer der Männer habe ihm mit einer Eisenstange in die Magenkuhle geschlagen.

Der 44-Jährige wurde bereits 1998 in der tschechischen Republik wegen Vergewaltigung einer 18-Jährigen zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. 2002 stand er erneut wegen Vergewaltigung vor dem Rostocker Landgericht. Damals waren eine 15-jährige Schülerin sowie eine hochschwangere junge Frau aus Güstrow seine Opfer. Er erhielt eine Haftstrafe von zehn Jahren. Alle Opfer hatte er mit Handschellen gefesselt. Seit 2012 steht er unter Führungsaufsicht und trägt eine so genannte elektronische Fußfessel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen