Filmkunstfest : Opa Paul trifft Oma Paula

Erzählte  auf der Eröffnungspressekonferenz aus seinem Leben: Winfried Glatzeder. Foto: Klawitter
Erzählte auf der Eröffnungspressekonferenz aus seinem Leben: Winfried Glatzeder. Foto: Klawitter

Winfried Glatzeder hat auf dem 22. Filmkunstfest viel zu tun: Er sitzt in der Kurzfilmjury, präsentiert seinen Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula", liest aus seinen Memoiren – und freut sich auf Angelica Domröse.

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02. Mai 2012, 12:15 Uhr

Schwerin | Winfried Glatzeder schlägt vor, im sonnigen Garten des Schleswig-Holstein-Hauses miteinander zu reden. "Im dunklen Kino sitzen wir in den nächsten Tagen noch genug", sagt der Schauspieler. Mit den langen, zotteligen Haaren und der alten Lederjacke wirkt der Publikumsliebling immer noch jugendlich. Dabei wird Glatzeder bald 70. Auch Opa ist er vor einem halben Jahr geworden. Kaum zu glauben. Der Paul aus dem legendären Defa-Film "Die Legende von Paul und Paula" (1972) ist Opa. Opa Paul, passt irgendwie nicht.

Andererseits spielt auch die Paula - Angelica Domröse - eine Oma, in Bernd Böhlichs neuem Film "Bis zum Horizont, dann links!", der am Freitag im Wettbewerb des 22. Filmkunstfestes MV seine Welturaufführung erleben wird. Glatzeder freut sich, seine Kollegin wiederzusehen. In der Spielzeit 2007/2008 feierte das "Legenden-Traumpaar" Domröse-Glatzeder in einer Komödie von Eduardo De Filippo erneut einen Riesenerfolg am Hans-Otto-Theater in Potsdam.

Eigentlich müsste Glatzeder doch genervt die Augen rollen, wenn er immer noch und immer wieder auf den Paul angesprochen wird. "Nein, warum denn? Der Film war doch ein Glücksfall für mich. Mein Sohn Robert ist auch Schauspieler. Er ist jetzt 41 und hatte bisher noch keine Rolle, die so in den Herzen der Menschen verwurzelt ist wie der Paul."

Selbst junge Leute, die heutzutage "Die Legende von Paul und Paula" zum ersten Mal sehen, finden den Film "abgefahren", erzählt Glatzeder. "Aber sie sind weniger von der Liebesgeschichte ergriffen, eher von den Zeitumständen, den Klamotten, den Tapeten und der Musik." Da war es sicher keine schlechte Idee der Festivalmacher, neben dem Originalpaul auch die Originalmusik der Puhdys einzuladen. Die Band wird morgen im großen Saal des Festivalkinos Capitol live spielen - und zwar unplugged.

Auch Glatzeders Memoiren haben mit Hilfe von Paul die Bestsellerlisten gestürmt, sie heißen nicht zufällig "Paul und ich". Zu 150 Lesungen in ganz Deutschland war Glatzeder inzwischen eingeladen. Am Freitag (19 Uhr) wird der Schauspieler mit der tiefen, wohlklingenden Stimme im Schweriner Capitol aus seinem Buch lesen.

Dass er in der Kurzfilm-Jury nur kurze Film gucken muss, gefällt Glatzeder. "Die kurze Form liegt mir sehr. Von langen Filmen werde ich immer seltener überrascht." Der Vorteil von Kurzfilmen sei: "Wenn sie quälend sind, ist es schnell vorbei. Sind sie gut, wäre es schön, wenn es weiterginge."

Und dann lästert er ein wenig über den gerade vergebenen Deutschen Filmpreis. Von den etwa 90 Filmen, die der Schauspieler als Mitglied der Deutschen Filmakademie sehen musste, "waren 80 langweilig und schlecht gemacht". Der Deutsche Filmpreis 2012 für Andreas Dresen und seinen Film "Halt auf freier Strecke" gehe aber völlig in Ordnung.

Bei der gestrigen Eröffnungspressekonferenz des Filmfestes vom Künstlerischen Leiter Stefan Fichtner auf den Rosa Luxemburg-Film angesprochen, in dem Glatzeder Luxemburgs Geliebten Paul Levi spielte, setzte der Schauspieler seine kleine Branchenbeschimpfung fort: "So ein langweiliger Film, ich bin bei der Premiere ja beinahe ohnmächtig geworden vor Langeweile."

Nach den sechs Filmfesttagen stehen für den bald 70-Jährigen Wiederaufnahmeproben im Berliner Theater am Kurfürstendamm an. 1001-mal hat er dort schon in der "Pension Schöller" den Möchtegernmimen Eugen mit dem L-Sprachfehler gespielt. An der Seite eines 90-Jährigen, der mit "Bis zum Horizont, dann links!" auch persönlich nach Schwerin kommen will: Herbert Köfer.

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