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Mit dem Laptop ins Seniorenheim : Oma wohnt im iPad

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Deutsche Ruheständler sind längst im Netz zu Hause / Mit dem Laptop ins Seniorenheim

von
erstellt am 04.Mai.2015 | 11:50 Uhr

Die Geschichte mit den Großeltern, die einen Browser für eine Dusche und Cookies für Kekse halten, entspricht lange nicht mehr der Realität. Der rüstige Rentner ist online. Opa postet Grüße im Netz und Oma flimmert nur noch per Skype über das iPad, sodass für die Enkel der Eindruck entstehen kann, sie wohne auch darin. Das Internet-Verhalten deutscher Senioren unterscheidet sich kaum vom Bundesdurchschnitt. Dies geht aus einer Umfrage des IT-Lobbyverbandes Bitkom hervor. Demnach ist etwa die Hälfte aller Deutschen über 65 Jahre im World Wide Web unterwegs und 55 Prozent davon sind sogar über soziale Netzwerke wie Facebook und Co erreichbar.

Was aber machen die Silversurfer da eigentlich im Netz? Ganz klar im Vordergrund stehen Kommunikation und Information. Neun von Zehn der Silversurfer schreiben E-Mails, Acht von Zehn informieren sich über das Zeitgeschehen und Zwei von Drei (68 Prozent) über Gesundheitsfragen. Auf Einkaufstour geht gut die Hälfte (57 Prozent) und etwa jeder Vierte (26 Prozent) chattet mit der Familie oder schaut Videos und Filme (23 Prozent).

Der Online-Oldie ist ein gern gesehener Online-Shopper geworden. Er hat Zeit, Geld und weiß, was er will. Dabei möchte der Senior nicht als solcher angesprochen werden, was nicht bedeutet, dass er keine speziellen Bedürfnisse hat. Doch nur, weil Frau oder Mann 50 plus Begriffe rund um Wellness und Gesundheit – von Inkontinenzeinlagen bis zu Vitaminen – in die Suchmaske tippt, möchte man nicht als unmündig dargestellt werden. Von Rechtschreibfehler und der inflationärem Gebrauch von jugendlichen Anglizismen fühlen sie sich genervt.

Noch immerhin 41 Prozent möchten sich ganz und gar nicht mit der Materie beschäftigen. Anders als junge Leute benötigten die Altmeister den PC nicht unbedingt, um damit ihr Leben zu bewältigen. Leider hat fast jeder Zehnte auch niemanden, der ihm helfen könnte. Doch je einfacher die Handhabung neuer Technik mit Tablets und Co wird, je leichter wird es, auch diejenigen mit geringerer technischer Affinität zu erreichen. Für eine Einordnung ist aber nicht das tatsächliche Alter entscheidend, sondern eher die Erfahrung in der Nutzung elektronischer Medien, bestätigt Elizabeth Prommer, Direktorin am Institut für Medienforschung an der Universität Rostock.

Immerhin gelten 27 Prozent aller Deutschen sowieso als „internetferne Verunsicherte“, 37 Prozent gar als „digitale Outsider“, wie auch das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet herausfand. Zudem hängen weite Regionen Deutschlands noch mit dem 100 Jahre alten Klingeldraht am Netz, Millionen Haushalte haben gar keinen Zugriff auf einen ausreichend schnellen Zugang und warten auf die Einlösung des Versprechens der Bundeskanzlerin auf „schnelles Internet für alle“.

Wie weit ist die digitale Revolution im Alltag unserer Ruheständler angekommen? Wir wollten wissen, ob man einfach mit dem iPad im Seniorenheim einziehen kann? Tatsächlich gibt es viele positive Bemühungen. So erklärt Norbert Bartke, Leiter der Wohnanlage der Seniorenresidenz im Rostocker Ortsteil Biestow: „Das Nutzungsverhalten ist ganz unterschiedlich“. Ein zentrales WLAN lohne sich nicht, aber „die Bewohner lösen ihren Internetzugang individuell“. Die Nachfrage nehme zu und „viele übernehmen auch bereits bestehende Verträge“, so Bartke.

Im Betreuten Wohnen am Vögenteich in Rostock nutzen die meisten Bewohner das Internet direkt über das Kabelfernsehen. „Insbesondere bei den neuen Rentnern, die jetzt in die Pflege treten, wird häufiger nachgefragt“, stellt Hausdame Sonja Pastow fest. Etwa zehn Prozent der 65 Bewohner greifen hier auf das Internet zu.

Auch Uwe Damig, Leiter des DRK-Seniorenpflegezentrums Perleberg unterstreicht das zunehmende Interesse. Er möchte die Bewohner sogar an das Internet heranführen und spezielle Kurse anbieten. Hierfür hat er Fördermittel bei der Stiftung „Digitale Chancen“ in Berlin beantragt. „Die Stiftung stellt uns, wenn wir Glück haben, iPads zur Verfügung“, hofft Damig.

Solche Kurse werden auch vom Bundesbildungsministerium unterstützt. Ministerin Johanna Wanka (CDU) will mehr ältere Semester ins Netz bringen. „Das Internet kann das Leben für Seniorinnen und Senioren außerordentlich erleichtern“, erklärte sie im Zusammenhang mit der Studie.

Oftmals besteht in den Einrichtungen schlichtweg geringes Interesse an den Innovationen moderner Technik teilzuhaben. Das haben uns unter anderem Mitarbeiter des Dr.-Wilde-Hauses in Plau am See, der Alexandrinen-Residenz in Ludwigslust, des Kursana Seniorenzentrums in Stralendorf, des „Oberin-von-Lindeiner-Haus“ in Hagenow und vom „Haus Seeblick“ in Schwerin bestätigt. Teilweise ist dies der Pflegebedürftigkeit der Bewohner geschuldet. Sie versicherten, bei Bedarf darauf zu reagieren.

In der Awo-Einrichtung „Am Buchholz“ in Parchim steht ein Raum mit Internetzugang zur Verfügung, findet aber kaum Anklang, erzählt Pflegedienstleiterin Anke Jung. Monika Schureg bedauert, dass im „Wohnpark Zippendorf“ in Schwerin derzeit nur etwa fünf bis sechs Bewohner im Alter von 70 bis 75 Jahren die Möglichkeit nutzen. „Wir hatten einmal eine Aktion ,Notruf über Tablet‘, die hier aber nicht angenommen wurde.“ Immerhin, es ist möglich, dass Oma auch im Altenheim Grüße via iPad verschickt.




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