Geringfügig beschäftigte in MV : Ohne Zweitjob geht es für viele nicht

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In MV kommen gut 20 000 Menschen mit einer Arbeitsstelle nicht klar

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16. März 2016, 06:25 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern wie in ganz Deutschland haben immer mehr Menschen neben ihrem Hauptberuf noch einen Minijob, um über die Runden zu kommen. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, ist die Anzahl der geringfügig beschäftigten Minijobber in den letzten zehn Jahren bundesweit um 11,7 Prozent gestiegen. Die Zahl derjenigen, die einen Minijob neben einem Hauptberuf ausüben, stieg in diesem Zeitraum sogar um 52 Prozent. So hat aktuell bereits jeder dritte Minijobber einen Hauptberuf, 2006 war es noch jeder vierte.

Nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur gehen vor allen im Westen Mecklenburg-Vorpommerns Menschen neben ihrer eigentlichen Arbeit noch einer weiteren, geringfügigen Beschäftigung nach: In Schwerin haben 26,5 Prozent der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Minijobber einen Hauptberuf, im Landkreis Nordwestmecklenburg sind es 26,44 Prozent, im Landkreis Ludwigslust-Parchim 26,29 Prozent. Insgesamt gibt es der Arbeitsagentur zufolge im Land aktuell 85 028 geringfügig Beschäftigte, 20 448 (24,04 Prozent) haben den Minijob im Nebenerwerb.

Für Henning Foerster, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag, sind diese Zahlen wenig überraschend. „Es hat in den letzten Jahren hier im Land eine Umverteilung von Arbeit gegeben.“ Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigungen gehe seit 2002 zurück, die der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigungen steige. Dabei werde in viele Branchen nur unfreiwillig Teilzeit gearbeitet: „In Call Centern, im Einzelhandel, bei Hausmeisterdiensten oder im Wach- und Sicherheitsgewerbe gibt es statt Voll- überwiegend nur 30-Stunden-Verträge“, weiß Foerster. Führe man sich dann noch vor Augen, dass das Lohnniveau in Mecklenburg-Vorpommern ohnehin schon bundesweit das niedrigste ist, sei klar, dass die Menschen nach Alternativen suchten, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dabei hätten sie die Wahl, Aufstockerleistungen oder Wohngeld zu beantragen, „oder sie nehmen die Sache selbst in die Hand und sichern ihren Lebensunterhalt über einen zweiten Arbeitsplatz selbst ab“, so Foerster.

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