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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 21:06 Uhr

Ohne Scheu in die Töpferwerkstatt

vom

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2012 | 09:28 Uhr

Lenzen | Die Werkstatt bleibt sonst, im wahrsten Sinne des Wortes, links liegen, wenn Kunden die Treppe zum Verkaufsraum hochgehen. Das wird an diesem Wochenende anders sein. Jens-Peter Planke will den Töpferhof Lenzen als Ganzes zeigen. Er beteiligt sich wie knapp 90 Berufskollegen überall im Land erneut am Tag der offenen Töpferei.

Am Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr werden Einblicke in dieses Handwerk gewährt und Produkte zum Kauf angeboten.

"Wir richten die Werkstatt noch nett her. Ich wollte an den beiden Tagen was vorführen, wenn mal Pause im Verkaufsraum ist", kündigt der Lenzener an und fügt schmunzelnd hinzu: "Töpfe ein wickeln, gehört auch zu meiner Arbeit."

Ebenso könne der impo sante Brennofen, der fünf Kubikmeter fasst, in Augenschein genommen werden. Gebrannt werde das nächste Mal allerdings erst im Mai. "Dann wieder gleich drei Brände hintereinander. Das hat sich bei uns im Verlaufe der Jahre so entwickelt und bringt höhere Effizienz. Wir können noch Restwärme nutzen, und der Arbeitsplatz ist dann eben am Ofen", so Planke. Ein Zyklus vom Einräumen über das Hochheizen, Brennen und Abkühlen bis zum Ausräumen dauere etwa eine Woche, der Brennvorgang allein 19 Stunden. Zuvor werde ein halbes Jahr produziert: Töpfe unterschiedlichster Art und Größe, Kasserollen, Einlegekrausen, Büchsen, Krüge, Kannen, Vasen, Flaschen, Kuchenformen, Schüsseln, Teller, Tassen und Becher, Bratpfannen, Auflaufformen, Mörser, Leuchter... "Von dem Vorrat müssen wir eine Weile leben", sagt Planke. Was jetzt in den Verkaufsregalen steht, wurde kurz vor Weihnachten gebrannt, bewährtes, formschönes Gebrauchs geschirr mit der typischen braunen Lehmglasur, der Bunzlauer Tradition folgend. Nach dem Vorbild aus dieser Stadt in Niederschlesien hat der Brandenburger, der zunächst in der Keramikindustrie gelernt hat und gleich eine Ausbildung in einer kleinen Töpferei in Rathenow folgen ließ, seine Brauntöpferei in Lenzen gegründet. Seit 1987 wohnt er in dem von idyllischer Landschaft umgebenen winzigen Dorf, seit 1994 gibt es die Werkstatt.

Der Tag der offenen Töpferei sei eine runde Sache. "Wir machen in der Region auch andere Veranstaltungen, die wir selbst organisieren, wie jedes Jahr die am
1. Mai in Lenzen mit großem Markt. Das jetzige Wochenende dagegen ist für uns am unkompliziertesten und dennoch

eine gute Werbung für dieses alte Handwerk, das wieder stark im Kommen ist und sich durch internationalen Austausch auch mit Übersee enorm entwickelt", sagt der 46-Jährige. Früher die Zünfte hätten sich abgekapselt, heute werde es zunehmend als Bereicherung angesehen, sich mit Kollegen zu treffen oder sie in der Nachbarschaft zu haben, wie in Bolz und Woserin, meint Planke. Zudem biete das Internet ganz neue Möglichkeiten, die Töpferwaren zu vermarkten. Gerade die schnellen Verbindungen bewirkten in den letzten zwei, drei Jahren einen wahren Durchbruch, so Plankes Erfahrung. Manche Interessenten hätten die Internetseite offen und in der einen Hand die Maustaste, in der anderen den Telefonhörer, um nachzufragen oder sich beraten zu lassen. Vor Weihnachten habe er eine Menge Pakete gepackt und verschickt, und keineswegs nur an Kunden, die schon einmal auf dem Töpferhof waren.

Er mache seinen Beruf gern, sagt der Lenzener, und ebenso gern öffne er die Türen an diesem Wochenende. "Es ist schön, wenn Besucher kommen, sich für unsere Arbeit interessieren und kaufen. Gerade in dieser Zeit, in der noch nicht viel los ist und sich die Leute sonst wenig bewegen." Schon bald käme wieder die Zeit der Märkte, auf denen Töpfer stark vertreten sind. Sich jetzt zu präsentieren, sei "eine gute Idee" gewesen und inzwischen "ein voller Erfolg". Zwei Kolleginnen aus Sachsen-Anhalt hätten sich das ausgedacht, erinnert sich Planke, dort und in Thüringen sei der Anfang gemacht und dann eine "Graswurzelaktion" ausgelöst worden. Dieses Jahr findet die Veranstaltung das siebente Mal statt und das bundesweit. Mecklenburg-Vorpommern habe die meisten Teilnehmer, obwohl es in Bayern viel mehr Töpfereien gäbe, aber hier beteiligten sich fast alle. Er sei von Anfang an dabei. "Viele Menschen scheuen sich, Türen aufzumachen, selbst in der Nachbarschaft. Wenn sich diese von allein öffnen, überwinden sie ihre Hemmschwelle", erklärt der Lenzener.

Er hofft an diesem Wochenende auch auf junge Leute, die sich für den Beruf
interessieren. Wenn Elke Ludwig im Sommer ihre Ausbildung abgeschlossen hat, möchte Planke wieder einen Lehrling einstellen. Mittlerweile seien sechs junge Töpfer durch seine Schule gegangen. Er habe bislang gute Erfahrungen
gemacht. Sein heutiger Geselle Marco Braun habe auch bei ihm gelernt. Es komme nicht oft vor, dass ein Lehrling gut ist und dann bleibe, in dieser Abgeschiedenheit, in der Lenzen nun einmal liege.


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