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Rentnerin aus Bälow verlor fast alles durch die Flut : Ohne Hilfe verliert Oma Kober ihr Haus

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Die 74-jährige Elfriede Kober aus Bälow hat durch das Elbhochwasser fast ihren gesamten Besitz verloren. Schon 2002 war ihr Haus durch die Flut geschädigt. Wegziehen will die Rentnerin aber nicht.

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2013 | 09:07 Uhr

Wittenberge | Elfriede Kober kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Die 74-Jährige aus Bälow südlich von Wittenberge hat durch die Elbflut fast alles verloren. Sie lebt jetzt bei ihrer Tochter. Zwei Tage bevor das Hochwasser kam, hat Ute Petrascheck ihre Mutter zu sich in die Nähe von Perleberg geholt. "Ich weiß nicht, wann ich wieder zurück kann", sagt sie. Sie bekommt 380 Euro Rente. Davon kann sie das Häuschen nicht wieder aufbauen. Die Welt scheint für die Rentnerin wie aus den Angeln gehoben. Immer wieder kämpft sie gegen die Tränen.

Ortstermin. Wir fahren nach Bälow, wollen uns das Haus ansehen und treffen uns mit Bürgermeister Jürgen Herper. Drei Häuser am Ortsrand sind betroffen. Sie sind nicht durch den Hauptdeich geschützt. In den Gärten steht das Wasser noch knapp einen halben Meter tief. Über einen provisorischen Steg aus Steinen und Brettern gelangen wir ins Haus. "Seit fast 40 Jahren wohnt Frau Kober hier", erzählt uns der Bürgermeister. Zwei Zimmer, Küche, Bad, und eine große Veranda. Vor etwa 100 Jahren wurde das kleine Häuschen für einen Gemeindediener gebaut.

Das Wasser stand am 9. Juni im Wohnzimmer 40 Zentimeter hoch. Gegen vier Uhr kam die Flut und stieg pro Stunde um einen halben Meter. "Die Männer kämpften auf dem Hauptdeich nebenan, wo jede Hand gebraucht wurde", berichtet Jürgen Herper. Das Haus der Rentnerin lief voll. "Wir haben geheult, als wir das gesehen haben", erzählt der Bürgermeister. Mit dem Kahn versuchten er und Helfer, Dinge wie den Kühlschrank oder die Waschmaschine zu retten. Die wichtigsten persönlichen Sachen hatte Elfriede Kober bereits mit zu ihrer Tochter nach Nebelin bei Perleberg gebracht.

Inzwischen ist das Wasser wieder aus dem Haus, doch der Fußboden und die Wände sind nass und die Möbel nur noch Sperrmüll. An den Holztüren und Tapeten sieht man wie hoch das Wasser stand. "Der Fußboden muss so schnell wie möglich raus,", sagt Bürgermeister Herper. Das Gleiche gilt für die Türen und den Innenputz. Zu Wochenbeginn war ein Architekt im Haus und hat den Gebäudeschaden auf 35 000 Euro geschätzt. "Es kommen noch einmal 15000 Euro Schaden an der Inneneinrichtung hinzu", meint Jürgen Herper. Die Versicherung kommt für den Gebäudeschaden durch Hochwasser nicht auf. Der Bürgermeister hofft, dass zumindest ein Teil der Möbel über die Hausratsversicherung ersetzt werden kann.

Bereits 2002 waren die drei Vorderhöfe in Bälow, zu denen auch das Haus von Elfriede Kober gehört, von der Flut betroffen gewesen. Danach sollte ein Deich die Höfe schützen. Die Gemeinde hatte sich bereits für den Bau entschieden. Doch ein Nachbar stellte sich quer. "Nur ein wenig Einsichtigkeit und alles wäre anders gekommen", sagt Frau Kober. Jetzt soll der Deich gebaut werden.

Wegziehen will die Renterin nicht. "Einen alten Baum verpflanzt man nicht", sagt sie. Es wird viel Arbeit in den nächsten Monaten auf sie zukommen. Wir wollen helfen und werden die Hälfte der Spenden unserer Fluthilfe-Aktion nach Bälow überweisen. Spenden Sie weiter!

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