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Jeder fünfzehnte Häftling leistet Ersatzfreiheitsstrafe : Ohne Hafturteil im Gefängnis

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Immer mehr Menschen in MV müssen ins Gefängnis, weil sie ihre Geldstrafen nicht bezahlen können. 2012 waren die Gefängnisse im Durchschnitt am Tag mit 96 Häftlingen belegt, die eine Ersatzfreiheitsstrafe leisteten.

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erstellt am 09.Apr.2013 | 11:05 Uhr

Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern müssen ins Gefängnis, weil sie ihre Geldstrafen nicht bezahlen können oder wollen. Im vergangenen Jahr waren die Gefängnisse im Durchschnitt am Tag mit 96 Häftlingen belegt, die ursprünglich zu einer Geldstrafe verurteilt waren, teilte das Schweriner Justizministerium gegenüber unserer Redaktion mit.

Auf die Gesamtzahl der Häftlinge berechnet, verbüßte 2012 jeder fünfzehnte Häftling eine so genannte Ersatzfreiheitsstrafe. Zum Vergleich: 2004 waren im Durchschnitt 69 Gefangene am Tag wegen einer nichtbezahlten Geldstrafe im Gefängnis. Und 2010 waren es bereits im Durchschnitt 80. Grund für die Tendenz: Die Lebensverhältnisse der Menschen, die zu einer Geldstrafe verurteilt wurden, haben sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert. In einer Untersuchnung kommt der Greifswalder Kriminologe Prof. Frieder Dünkel zu dem Schluss, dass neben Zahlungsunfähigkeit wegen anhaltender Arbeitsosigkeit auch Alkoholismus und andere psychische Erkrankungen bei den Verurteilten zugenommen haben. Geldstrafen werden häufig wegen wiederholten Ladendiebstahls oder notorischen Schwarzfahrens verhängt.

Für die Verbüßung der Ersatzfreiheitsstrafen kommt der Steuerzahler auf. Ein Haftplatz kostet derzeit 108 Euro pro Tag. Zur Vermeidung wurde 1998 das Projekt „Ausweg“ ins Leben gerufen, das gemeinnützige Tätigkeit als Alternative zum Haftantriet anbietet. Allerdings stellte eine private Stiftung die Finanzierung ein. Justizstaatssekretärin Birgit Gärtner: „Wir halten trotzdem an dem Projekt fest.“

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