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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 00:40 Uhr

Winterschwimm-WM : Ohne Eis kein Preis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Winterschwimmer trainieren für WM in Sibirien. Die kalte Ostsee bietet derzeit ideale Trainingsbedingungen

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Spaziergänger am Strand von Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern reiben sich die Augen: Zwei ältere Damen lassen ihre Kleidung in den Sand fallen. Im Badeanzug laufen sie über das gefrorene Ufer in die Ostsee hinein. Im nur null Grad kalten Meer schwimmen sie flott rund 20 Meter bis zur Seebrücke. Wieder draußen, trocknen sie sich rasch ab. „Zieht euch was über, ist doch kalt!“, ruft ein Mann. „Geht so“, lacht Martina Hübsch. „Die Sonne scheint, und wir haben kaum Wind.“ Die 58-Jährige aus Kritzow bei Wismar trainiert gemeinsam mit der 64 Jahre alten Ingelore Launert für die Winterschwimm-Weltmeisterschaft im sibirischen Tjumen.

Die 10. Eis-Schwimm-WM findet vom 8. bis 12. März erstmals in Russland statt. Wettkämpfe im Fluss Tura gibt es über 25, 50, 100 und 450 Meter sowie im Staffel-Schwimmen. Laut den Richtlinien der International Ice Swimming Association (IISA) darf das Wasser keine fünf Grad haben. Neoprenanzüge sind verboten, geschwommen wird in normaler Badekleidung.

Allenfalls seien Mützen oder Badekappen erlaubt, wissen Hübsch und Launert. Sie gehören zu den sechs Teilnehmern aus Mecklenburg-Vorpommern. Aus der Bundesrepublik sind 26 Schwimmer in Sibirien dabei, wie Dietmar Marquardt vom Eisbader-Verein „Rostocker Seehunde“ sagt. Leider gebe es nur Einzelstarter, keine deutsche Nationalmannschaft. Bisher meldeten sich mehr als tausend Sportler aus 36 Ländern an.

Am Strand stapft Martina Hübsch barfuß im Schnee herum. „Füße und Hände, die frieren am meisten. Eigentlich bin ich ja eine Frostbeule.“ Sport aber habe sie immer getrieben, früher als Geräteturnerin, sagt Hübsch. Sie arbeitet als Mathelehrerin an einer Regionalschule. Launert und sie hätten vor 15 Jahren erstmals den Sprung ins Eiswasser der Ostsee gewagt. Das sei immer wieder ein Kick, verrät Rentnerin Launert, eine passionierte Leichtathletin.„Natürlich tut das auch weh!“ Aber hinterher fühle man sich wie neu geboren und voller Tatendrang. „Ein wirklich tolles Lebensgefühl.“

Eigentlich ziehen die beiden Frauen winters lieber im Neuklostersee ihre Bahnen. Doch der war im Januar zugefroren, so dass nur die Ostsee blieb. Der Zugang zum eisfreien Meer biete den norddeutschen WM-Teilnehmern klare Trainingsvorteile, meint Hübsch. Doch Salzwasser trage auch besser und mache Schwimmen leichter – womöglich reiche im Wettkampf dann die Kraft doch nicht für Spitzenzeiten aus. Bei ihrer dritten WM in Sibirien wollen Hübsch und Launert auf 25 und 50 Metern antreten. Launert rechnet sich Chancen auf der Kurzstrecke aus, hier erreichte sie 2014 in Finnland das Finale.

An Durchhaltevermögen jedenfalls scheint es Winterschwimmern nicht zu fehlen. Der Vorsitzende der „Rostocker Seehunde“, Dietmar Marquardt, berichtet von positiven Auswirkungen des Eiswassersports auf Gesundheit und Persönlichkeit der Aktiven. Egal, ob die Badenden nach der „Teebeutel-Methode“ nur kurz untertauchen oder ob sie tatsächlich minutenlang schwimmen – eine Herausforderung sei der Gang ins freie Gewässer bei frostigen Temperaturen allemal. „Und heilsam ist das für Körper und Seele, Eisbader beißen sich fast überall im Leben durch.“

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