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Mecklenburg-Vorpommern

19. Oktober 2017 | 05:47 Uhr

Studium : Ohne Abitur zum Diplom

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wismarer Fernstudienzentrum seit zehn Jahren am Markt / Sabine Possnien gehörte zu den ersten Absolventen

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2014 | 09:00 Uhr

Mit fast 40 Jahren noch studieren, und das auch noch ganz ohne Hochschulreife? „Ja, das schafft man“, sagt Sabine Possnien selbstbewusst. 15 Jahre lang hatte die Wismarerin als Krankenschwester auf der Intensivstation des Hanse-Klinikums ihrer Heimatstadt gearbeitet. Dann zwang eine Krankheit sie, sich beruflich neu zu orientieren. Sie wechselte erst in die Pflegeinformatik und dann in die medizinische EDV. „Das machte mir Spaß – aber ich stieß doch auch immer wieder an Grenzen. ,Das gibt das System nicht her‘, hieß es, oder auch schlicht ,Das geht nicht‘. Und immer schwang unterschwellig mit, dass ich ja ,nur‘ Krankenschwester sei und das deshalb auch einfach nicht besser wissen könnte.“

Doch das entfachte den Ehrgeiz der heute 47-Jährigen. Sie entschloss sich zu studieren – Diplom-Wirtschaftsinformatik am Fernstudienzentrum der Hochschule Wismar (WINGS). Der Weg dorthin führte über die Hochschulzugangsprüfung, die aus zwei Klausuren zu je einem gesellschaftlich relevanten und einem studienfachbezogenen Thema sowie einer mündlichen Prüfung bestanden. „Ich hatte damals keine Ahnung, was da drankommen könnte, hatte mich nur politisch etwas tiefgründiger informiert, als ich das ohnehin tue“, erinnert sie sich. Und das reichte offenbar aus – im Herbst 2004, mit damals 38 Jahren, begann Sabine Possnien ihr Fernstudium.

Damit gehörte sie zu den ersten Fernstudenten im WINGS. Mittlerweile unterbreitet das Tochterunternehmen der Hochschule Wismar bundesweit an zehn Standorten sowie in Zürich und Wien seine Angebote. Derzeit sind rund 3500 Fernstudenten und mehr als 500 Weiterbildungsteilnehmer an der Hochschule Wismar eingeschrieben. Damit zählt WINGS zu den führenden staatlichen Fernstudienanbietern in Deutschland.

„Man muss sich für so ein Fernstudium schon richtig auf den Hosenboden setzen“, sagt Sabine Possnien heute rückblickend. Dass alle, die aus Wismar und Umgebung stammen, sich gleich am ersten Präsenzwochenende zu einer Lerngruppe zusammengefunden hätten, sei ungeheuer hilfreich gewesen. „Wir haben uns regelmäßig alle zwei Wochen getroffen, wenn viel Stoff zu bewältigen war auch in kürzeren Abständen.“ Gerade ihr als einer der Ältesten im Jahrgang sei das Lernen durch diesen regelmäßigen Austausch und das gemeinsame „Durchackern“ des Stoffs sehr viel leichter gefallen. Auch an anderen Orten hatten Fernstudenten Lerngruppen gebildet, erinnert sich Sabine Possnien. Außerdem konnten sich alle über ein eigens eingerichtetes Internetforum über den aktuellen Stoff austauschen.

Trotzdem: Ohne Selbstdisziplin und ein hohes Maß an Selbstorganisation hätte sie das Studium nicht durchgestanden, ist Sabine Possnien überzeugt. Schließlich durfte sie auch in ihrem regulären Vollzeitjob keine Abstriche machen. Zu Hause nahmen ihr der Ehemann und teilweise auch die beiden Kinder Arbeit ab, damit sie ihre festen Zeiten zum Lernen bekam. „Aber ohne auf etwas zu verzichten, stemmt man so ein Studium nicht“, ist die Wismarerin überzeugt. Deshalb hätte sie vier Jahre lang auch im Urlaub lernen müssen. „Macht man das nicht, wird der Berg, den man vor sich herschiebt, immer größer.“ Es hätten deshalb auch nicht alle, mit denen sie zusammen angefangen hatte, das Studium zu Ende gebracht.

Sabine Possnien hat es geschafft und mit ihrem neuen Abschluss in einen lukrativen Job wechseln können: Sie arbeitet mittlerweile als SAP-Anwendungsbetreuerin an den Schweriner Helioskliniken.

 

Die nächste Hochschulzugangsprüfung (HZP) findet in Wismar am 10. Mai 2014 statt. Im Internet finden Interessenten Beispielaufgaben und den Antrag auf Zulassung zur HZP unter www.wings.hs-

wismar.de.

 

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