Wie tauscht man Wald? : Offene Fragen beim Waldtausch

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Der Plan der Schweriner Regierung, mit einem Landwirtschaftsbetrieb aus der Sternberger Gegend große Waldflächen zu tauschen, stößt bei der Opposition im Landtag weiter auf Kritik. Noch ist die Wertermittlung unklar.

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07. März 2013, 10:08 Uhr

Schwerin | Der Plan der Schweriner Regierung, mit einem Landwirtschaftsbetrieb aus der Gegend von Sternberg große Waldflächen zu tauschen, stößt bei der Opposition im Landtag weiter auf Kritik. Der Abgeordnete Johannes Saalfeld (Grüne) fragt verwundert, warum für einen Wertvergleich der Tauschflächen nicht der Verkehrswert als Maßstab genommen wurde. "Jede Kommune muss den Verkehrswert ermitteln, wenn sie ein Grundstück verkaufen will. Nur das Land darf offenbar eine Ausnahme machen."

In dem Gutachten, das inzwischen dem Landtag vorliegt, wurde der Wert der Wälder hingegen anhand des Bodenwertes und des sogenannten Bestandserwartungswerts ermittelt. Letzterer besagt, welche Einnahmen zu erwarten sind, wenn das Holz der Bäume "erntereif" ist. Bis dahin können noch viele Jahre vergehen. "Ausgeklammert blieben Randbedingungen, wie zum Beispiel die Erreichbarkeit der Wälder", so Saalfeld. Solche Dinge könnten den Waldwert durchaus beeinflussen. Der Grünen-Politiker will notfalls den Landesrechnungshof einschalten, um das Wertgutachten zu begutachten.

Es geht einerseits um 609 Hektar Wald, die die Gut Stieten GmbH und Co.KG in der Nähe von Torgelow im Forstamt Rothemühl abgeben will. Gut Stieten gehört zwei Brüdern der Familie Rethmann, die zu den reichsten Familien in Deutschland zählt. Eintauschen will das Gut seinen Wald in Vorpommern gegen Forstflächen der landeseigenen Forstanstalt in der Nähe ihres Betriebes bei Sternberg, um besser Holzwirtschaft betreiben zu können. Laut Gutachten sind beide Flächen 5,25 Millionen Euro wert. Die Nadelbaum-Fläche in Vorpommern ist zwar größer. Das wird durch die wertvolleren Laubbäume bei Sternberg wettgemacht. Für Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ein vorteilhafter Tausch fürs Land, denn laut Waldgesetz soll der Landeswald vermehrt werden. Der Grüne Saalfeld fragt sich, warum die Rethmanns ihren Wald in Vorpommern nicht verkaufen und mit den Einnahmen sich Wald in der Nähe ihres Betriebes kaufen.

Dann würde deutlicher, welchen Marktwert der Wald hat. Der Agrarexperte der Linksfraktion im Landtag, Fritz Tack, kann den ermittelten Waldwert im Grund nachvollziehen. "Beim Tausch von Wäldern ist es nicht üblich, den Verkehrswert zu ermitteln", so Tack. Und laut eines Beschlusses des Landtags dürfe das Land keinen Wald verkaufen. Aber Tack hält das Gutachten für veraltet. "Es ist vier Jahre alt. Bevor ich im Landtag einem Tausch zustimme, möchte ich wissen, wie viele Bäume in den Wäldern seitdem gefällt wurden." Außerdem habe Backhaus angekündigt, die Wälder nur zu tauschen, wenn das Gut Stieten für 15 Jahre ihren Wald von der Landesforstanstalt bewirtschaften lässt - und so dort Arbeitsplätze und Einnahmen in Höhe von 33000 Euro pro Jahr sichert. Tack forderte: "Minister Backhaus soll den Vertragsentwurf dafür im Landtagsausschuss vorlegen. Bislang gibt es nicht mehr als eine unverbindliche Absichtserklärung."

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