Windkraft-Industrie : Ökostrom sucht Steckdose

Windräder vor Rügen
Windräder vor Rügen

Wer die Heizung aufdreht oder mit dem Auto fährt, verbraucht meist fossile Energie – die Windkraft-Branche will das ändern

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17. April 2018, 20:45 Uhr

Die Windkraft-Industrie sucht dringend nach Wegen, die Nachfrage für ihren Strom zu erhöhen. Diese sieht sie im Bereich der Wärme und Mobilität, wie der Vorsitzende des Windenergie-Netzwerks MV, Andree Iffländer, gestern sagte. Damit gäbe es nicht nur zusätzliche Abnehmer, es könnte auch der Druck auf den Netzausbau genommen werden. Denn im Netz sei noch zu viel Kohlestrom. „Es ist politisch geboten, aus der Stromwende endlich eine echte Energiewende zu machen“, sagte Iffländer vor der heute und morgen stattfindenden Zukunftskonferenz „Wind & Maritim“ in Rostock.

An der sogenannten Sektorenkopplung – also dem Einsatz von Ökostrom im Verkehr und zur Wärmeerzeugung – führt auch nach Ansicht von Uwe Ritschel, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Windenergietechnik an der Universität Rostock, kein Weg vorbei. Eine schnelle Lösung gebe es aber nicht, die Technik zur künftigen Energieverwertung, beispielsweise in Form von Wasserstoff, stecke vielfach noch in den Kinderschuhen. Allerdings werde der Druck auf den Energiesektor durch die sich verschärfende Umweltproblematik wie Klimaerwärmung oder Gletscherschmelze immer größer, sagte Ritschel.

Die Politik bremse die Windenergie in ihrem Bemühen zur Einhaltung der Klimaziele noch aus, sagte Iffländer. So gebe es keine verlässlichen Daten für den Kohleausstieg. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte in der „Leipziger Volkszeitung“ beim Braunkohle-Ausstieg sogar eine Schonfrist von 20 Jahren gefordert. Iffländer sieht Nachholbedarf auf seiten der Politik. Es sei zwar im Koalitionsvertrag jüngst vereinbart worden, dass bis 2030 der Anteil der erneuerbaren Energien 65 Prozent des Stromverbrauchs betragen soll. Aber damit würden nicht die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele erreicht. Es bleibe offen, wie dies geschehen solle.

Für die umfangreichen Forschungsarbeiten benötige die Branche dringend das avisierte Forschungsfeld in der Ostsee rund elf Kilometer vor Warnemünde, sagte Iffländer. Das könne nicht an Land oder im Labor getestet werden. „Ein solcher Windpark ist auch ein Aushängeschild für unsere Region und die Technologieentwicklung in Rostock.“

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