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Mecklenburg-Vorpommern

24. September 2017 | 19:47 Uhr

Öffentlicher Dienst haut auf die Pauke

vom

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2011 | 06:46 Uhr

Schwerin | Einen Tag vor neuen Tarifgesprächen für die Beschäftigten der Länder haben gestern rund 4500 Angestellte und Beamte des Landes für ihre Forderungen in Schwerin demonstriert. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beteiligten sich Lehrer aus ganz Mecklenburg-Vorpommern am zeitgleichen Warnstreik. Bundesweit gab es ähnliche Aktionen. Die Gewerkschaften verlangen für die 600 000 Angestellten der Länder 50 Euro mehr und auf den so erhöhten Sockelbetrag eine zusätzliche dreiprozentige Gehaltserhöhung. Die Länder lehnen dies ab, haben aber bisher noch kein Angebot vorgelegt.

"Hohe Belastung" kritisiert

An der Demo in Schwerin beteiligten sich unter lautstarken Trommelklängen neben zahlreichen Lehrern auch Polizisten, Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Straßenämter und anderer Verwaltungen sowie der Telekom. "Wenn am Freitag kein akzeptables Angebot der Arbeitgeber vorliegt, zwingen sie uns zu streiken", sagte GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner, nachdem Finanzministerin Heike Polzin (SPD) sich zuvor zuversichtlich geäußert hatte. Sie rechne mit einem Tarifabschluss "mit dem alle Beteiligten leben können", sagte die Ressortchefin. "Ich kann ihre Forderungen gut verstehen, muss aber das Geld des Landes zusammenhalten." Polzin beklagte vor den Demonstranten, dass dem Land "ständig die Steuerbasis weggehauen wird". So verlöre MV 34 Millionen Euro durch die Steuersenkung für die Hotelbranche.

GEW-Chefin Lindner kritisierte scharf die "hohe Belastung" der Lehrer. So liege man im Nordosten mit 27 beziehungsweise 27,5 Unterrichtsstunden bundesweit an der Spitze. Lindner sprach sich für eine Öffnungsklausel auf Landesebene aus, um Verhandlungen über eine Altersteilzeitregelung führen zu können. Aus ihrer Sicht sollten zudem Lehrer an Grund- und Regionalschulen ebenso viel verdienen wie ihre Kollegen an Gymnasien. Scharfe Kritik übte ebenfalls Michael Blanck, Lehrer aus Pasewalk und Gewerkschafter: "Die Bedingungen für Lehrer in diesem Lande sind nicht konkurrenzfähig. Der Hinweis auf leere Kassen zieht nicht: Kein Geld ist immer da", meinte er sarkastisch.

Mindestlohn für die Kollegen

Unter die Demonstranten aus dem gesamten Land hatte sich auch Thomas Kluwe, Telekom-Angestellter aus Rostock, mit seinen Kollegen gemischt. "Wir wollen an den Gewinnen unserer Firma beteiligt werden. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass die Kollegen in den Callcentern einen Mindestlohn erhalten", begründete er sein Engagement. Er hoffe, dass der Warnstreik ausreiche, um die Forderungen durchzusetzen. Einen unbefristeten Streik wollte Beate Baumheier aus Boizenburg nicht ausschließen: "Wenn es hilft", sagte die Gymnasiumslehrerin, die Musik und Deutsch unterrichtet. Der Pädagogin liegt nach eigenem Bekunden besonders die Forderung nach Einführung einer Altersteilzeitregelung für Lehrer am Herzen: "Ohne eine solche Regelung haben auch die jungen Leute kaum eine Möglichkeit einzusteigen. Und außerdem: Es muss nicht unbedingt gut sein, wenn man mit 67 Jahren noch vor einer Klasse besteht", sagte Beate Baumheier, ehe sie sich wieder der lautstarken Demo vor der Staatskanzlei zuwandte.

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