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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 22:39 Uhr

Obamas Heimspiel in Berlin

vom

svz.de von
erstellt am 19.Jun.2013 | 08:15 Uhr

Berlin | Um 15.15 Uhr ist er endlich da. An der Seite von Kanzlerin Angela Merkel und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit schreitet er durch das Brandenburger Tor.

Der US-Präsident und das Symbol der Freiheit - 4600 Gäste jubeln. "Hello Berlin!", ruft er. "Ich fühle mich so wohl hier, dass ich mein Jackett ausziehen werde, und ich fordere alle auf, das auch zu tun", sagt Obama. Man sei ja schließlich "unter Freunden".

Yes-We-can-Rufe, Obama-Sprechchöre

Yes-We-can-Rufe, Obama-Sprechchöre - der mit Spannung erwartete Rede-Auftritt und Höhepunkt seines Berlin-Besuchs wird zum Heimspiel. Obama beschwört den "Spirit of Berlin", den Geist der Hauptstadt. Es gehe darum, Mauern in den Köpfen einzureißen. Freiheit, Sicherheit, Selbstverwirklichung, Toleranz und Gerechtigkeit - so die großen Themen seiner knapp dreißigminütigen Rede an die Welt mit der Botschaft, "weniger Atomraketen und "Frieden für alle". Obama auf den Spuren von John F. Kennedy und Martin Luther King. "Ich bin ein Berliner", wiederholt er auf Deutsch den berühmten Satz seines früheren Amtsvorgängers Kennedys. Dann das große politische Signal seines Besuches, seine Botschaft, die vielleicht einmal historisch wird: Ein Plädoyer für atomare Abrüstung. Hier in Berlin kommt der Friedensnobelpreisträger von 2009 wieder auf das Thema aus seinen Anfangstagen im Weißen Haus zurück - und wird konkret. Er wolle die Zahl der amerikanischen Sprengköpfe um ein Drittel reduzieren. "Als Präsident habe ich nun unsere Bemühungen verstärkt, die Verbreitung von Atomwaffen zu vermeiden und die Zahl der amerikanischen Atomwaffen zu reduzieren und ihre Rolle zu verändern", will er auch Russland in die Pflicht nehmen und für 2016 einen Atomgipfel einberufen. Meint Obama es ernst? Will er auf den Spuren von Gorbatschow und Reagan wirklich ein neues Zeitalter der Abrüstung einläuten?

Tropische Hitze auf dem Pariser Platz, hohe Erwartungen, es sind die Momente, die Bilder, die bleiben dürften von Obamas 25-Stunden-Visite. Eine Rede wie eine Lobeshymne auf Deutschland, die Deutschen ihre Nachkriegsgeschichte. "Die Mauer ist Geschichte", ruft Obama der Menge zu.

Er sei stolz, hier auf der Ostseite des Brandenburger Tors sprechen und sich "vor der Vergangenheit" zu verneigen. Ein Meer von deutschen und amerikanischen Flaggen. Zwischendurch "Obama-Sprechchöre" auf den Tribünen. Erinnerung werden wach an 2008, als der heutige Präsident vor 200 000 begeisterten Zuhörern an der Berliner Siegessäule umjubelt wurde. Doch dieses Mal ist es anders, nur geladene Gäste wurden vorgelassen: Ganz vorne schwitzt NBA-Basketballer Dirk Nowitzki, der schon bei Obama im Weißen Haus zu Gast war. Auf der anderen Seite mit blau-weiß-roter Schirmmütze ein anderer Ehrengast: Gail Halverson, als Pilot bei der Luftbrücke einer der Rosinenbomber-Piloten.

"Gott segne die Deutschen"

Immer wieder Jubel hier vor dem Brandenburger Tor. "Vielen Dank", verabschiedet sich der Präsident schließlich auf Deutsch. "Gott segne die Deutschen. Und Gott segne die Vereinigten Staaten." Ein Winken noch, Standing Ovations für Obama. Der Gast aus dem Weißen Haus wirft lässig sein Jackett über die rechte Schulter und spaziert an der Seite von Kanzlerin Merkel und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit wieder Richtung Brandenburger Tor - dorthin, wo vor knapp 25 Jahren noch die Mauer stand und die Stadt teilte.

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