MV auf Platz 1 : Nur wenige Junge sprechen Platt

Projektleiter Albrecht Plewnia
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Projektleiter Albrecht Plewnia

Neue Studie zu Niederdeutsch-Kenntnissen: Mecklenburg-Vorpommern ist auf 1. Platz

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11. Juni 2017, 09:00 Uhr

Wer versteht heute noch Plattdeutsch, wer spricht es? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine repräsentative Studie, die auf der gerade beendeten Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung in Hannover vorgestellt wurde.

Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache und das Bremer Institut für niederdeutsche Sprache haben 1600 Menschen ab 16 Jahren in den norddeutschen Bundesländern sowie in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg im vergangenen Jahr befragen lassen, wie sie ihre Kenntnisse des Plattdeutschen einschätzen. Danach verstehen 20,9 Prozent sehr gut und 26,9 Prozent gut Platt, 7,8 Prozent verstehen kein Wort. Beim Sprechen sieht es anders aus: 6,2 Prozent halten sich für sehr gute Plattsnacker, 9,5 Prozent bezeichnen ihre aktiven Kenntnisse als gut, 42,2 sprechen kein Platt.

In Mecklenburg-Vorpommern sind die Selbsteinschätzungen beim Verstehen im Vergleich zum Gesamtergebnis deutlich positiver (sehr gut: 27,4 Prozent, gut: 42,7 Prozent, kein Wort: 3,2 Prozent), ebenso beim Sprechen (sehr gut: 5,9 Prozent, gut: 14,8 Prozent). Deutlich mehr sagen von sich, dass sie nur einige Wörter (34,1 Prozent) oder kein Platt sprechen (20,1 Prozent). In den Regionen Schwerin und Rostock ist die Sprechkompetenz höher als in Vorpommern-Rügen. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind die Kenntnisse deutlich höher als in anderen Bundesländern.

„Die Werte sind bundesweit im Vergleich zur letzten Studie von 2007 erfreulich stabil. Es gibt aber eine markante Altersverteilung“, sagt der Mannheimer Projektleiter Albrecht Plewnia. Damit meint er, dass mehr als die Hälfte der über 80-Jährigen gut oder sehr gut Platt spricht, bei den unter 40-Jährigen aber nicht einmal mehr zehn Prozent.

Für Reinhard Goltz, Leiter des Instituts für niederdeutsche Sprache, ist das eine fatale Entwicklung – es gebe immer weniger niederdeutsche Autoren unter 60 Jahren, ernste Stoffe hätten es immer schwerer. „Das Publikum schätzt die Stücke der Spaßmacher und ihre Auftritte“, so Goltz. Er hat gerade zusammen mit Dieter Möhn die zweibändige „Niederdeutsche Literatur seit 1945“ veröffentlicht, in der erstmals ein Überblick über die Entwicklung bis heute gegeben wird.

Die Bundesrepublik hat mit der Unterzeichnung der „Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen“ 1999 per Gesetz das Niederdeutsche als Regionalsprache anerkannt. Seitdem wird es verstärkt gefördert. In der Studie wurde auch gefragt, ob man sein Kind in einen plattdeutschen Kindergarten schicken würde. In Mecklenburg-Vorpommern antworteten 68 Prozent mit Ja, 23,9 Prozent sagten Nein.

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