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Mecklenburger sind Verweigerer : Nur wenige gehen zur Krebs-Vorsorge

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Nur vier von zehn Erwachsenen gehen zum "Check-up 35“, der zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenleiden dient. Nur jeder dritte Mann über 45 geht zur Krebsvorsorge-Untersuchung.

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erstellt am 15.Mär.2012 | 10:03 Uhr

Schwerin | Es ist eine Binsenweisheit, dass Vorsorge Leben retten kann. Doch Mecklenburgern und Vorpommern nehmen es damit alles andere als genau. Nach Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK) gehen nur vier von zehn Erwachsenen hierzulande zum Gesundheits-Tüv. Dieser "Check-up 35" dient alle zwei Jahre zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenleiden.

Bedenklich ist es auch um die Krebsfrüherkennung bestellt. Immerhin zwei Drittel der anspruchsberechtigten Frauen ab 20 Jahre (65,97 Prozent) nutzen das Angebot zur Krebsvorsorge beim Gynäkologen. Doch mit dem Alter lässt diese Bereitschaft offenbar nach: Zum Mammograhie-Screening - theoretisch hat jede Frau zwischen 50 und 70 alle zwei Jahre Anspruch darauf - geht nur noch ein Viertel (24,38 Prozent). Von den Männern nutzt nicht einmal ein Drittel (31,40 Prozent) der 45-Jährigen und Älteren die Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs und Krebserkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane. Unbeliebteste - allerdings auch jüngste - Vorsorgeuntersuchung ist das Hautkrebsscreening - nur 8,85 Prozent der Berechtigen nutzen es.

"Wir beobachten das mit Sorge", so TK-Sprecherin Heike Schmedemann in Schwerin, "wir können nur appellieren, diese Leistungen stärker in Anspruch zu nehmen: Schließlich kosten sie die Versicherten nichts, nicht mal die Praxisgebühr."

In einer Forsa-Umfrage hat die Krankenkasse klären lassen, warum es so viele Vorsorgemuffel gibt. "Ich gehe nur zum Arzt, wenn ich krank bin", meinten 61 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen. 39 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen gaben an, dass ihnen die Untersuchungen unangenehm sind. 44 bzw. 38 Prozent wissen gar nicht, worauf sie Anspruch haben. Und 32/21 Prozent erklärten, sich nicht mit schlimmen Erkrankungen auseinandersetzen zu wollen. Etwa gleich groß sind die Anteile derer, die sagen, sie hätten für Früherkennung keine Zeit (24/18 Prozent), und derer, die erklären, sie seien gesund, deshalb beträfe sie Früherkennung nicht (24/17 Prozent). Jeder zehnte Mann (11 Prozent) und jede fünfte Frau (21 Prozent) geben allerdings auch zu, sich vor dem Ergebnis zu fürchten.

Furcht muss indess nur haben, wer Vorsorge verweigert. "Bei frühzeitiger Diagnose ist Darmkrebs zum Beispiel zu 100 Prozent heilbar", betont der Chefarzt der Klinik, für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Schweriner Helios Kliniken, Prof. Dr. Jörg-Peter Ritz. Auch in barer Münze kann sich Vorsorge auszahlen, ergänzt TK-Sprecherin Schmedemann: "Jüngere chronisch Kranke werden nur dann bei Zuzahlungen entlastet, wenn sie eine Beratung über Vorsorgeuntersuchungen vor der Erkrankung nachweisen können."


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