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Droht Minijobbern die Altersarmut? : Nur wenig Rente nach 45 Versicherungsjahren

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Aktuelle Zahlen zur Rentenhöhe nach jahrzehntelanger Beschäftigung im 400-Euro-Job: 139,95 Euro Rente erhält man nach 45 Versicherungsjahren. Wer freiwillig die Rentenbeiträge aufstockt, bekommt nur 182,70 Euro.

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erstellt am 29.Mär.2012 | 11:29 Uhr

Berlin/Nürnberg | Ist mit dem Minijob Altersarmut programmiert? "Für viele junge Mütter, die reguläre Arbeit suchen, wird der Minijob zur biografischen Sackgasse", warnt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Der Anlass: Aktuelle Zahlen zur Rentenhöhe über die Folgen jahrzehntelanger Beschäftigung im 400-Euro-Job: 139,95 Euro Rente erhält man nach 45 Versicherungsjahren. Wer freiwillig die Rentenbeiträge aufstockt, kann mit nur wenig mehr rechnen: 182,70 Euro. Das ist weit weniger als die Grundsicherung von durchschnittlich 688 Euro im Monat. Vor allem Frauen üben Minijobs aus. Doch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wehrt sich gegen die simple Gleichung, dass Minijobs zwangsläufig zu Altersarmut führen.

Ministerin Schröder attackiert Kollegin von der Leyen

"Geringe Renten sind kein Indiz für geringe Gesamteinkommen im Alter", schreiben Ursula von der Leyens Beamte in einer Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei. Die Altersrente von Frauen betrage durchschnittlich 535 Euro. Das Nettogesamteinkommen von alleinstehenden Frauen liege jedoch bei 1188 Euro. Die gesetzliche selbst erworbene Rente ist bei Frauen nur ein Baustein des Alterseinkommens, so die Botschaft. Das Institut der deutschen Wirtschaft ergänzt, dass nur 19 Prozent der geringfügig beschäftigten Frauen alleinstehend seien - die allermeisten würden im Alter auch von den Einkünften des Partners profitieren.

Überraschend ist die Erkenntnis nicht, dass 400-Euro-Jobs nur zu Mini-Renten führen - pro Jahr erwirbt man 3,11 Euro Rentenanspruch. Entscheidender ist die Frage, ob Minijobs für den Einzelnen eine Übergangsbeschäftigung sind oder ein Dauerzustand. "Der Minijob hat seine Berechtigung zum Beispiel bei Studenten oder bei Haushaltshilfen", sagt Familienministerin Schröder. Sie plädiere jedoch für "Vorsicht und Augenmaß, wenn es um die Ausdehnung dieser Jobs geht". Unübersehbar sei das Problem, dass Frauen "nach der Rückkehr aus der Babypause meist Teilzeitarbeit wollen, aber oft in Minijobs abgeschoben werden".

Es mache keinen Sinn, heute Minijobs auszuweiten und morgen die Folgen mit der Zuschussrente mühsam aufzufangen, attackierte Schröder indirekt ihre Parteifreundin, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Die will Niedrigrenten unter bestimmten Voraussetzungen künftig verdoppeln, bis auf maximal 850 Euro. Wer 45 Jahre im Minijob gearbeitet und aufgestockt hat, bekäme dann rund 365 Euro.

Das Arbeitsministerium verspricht, es solle parallel auch einen besseren Schutz in der Rentenversicherung für den betroffenen Personenkreis geben. Derzeit sind die Minijobs bis 400 Euro für die Beschäftigten steuer- und sozialversicherungsfrei. Nur die Arbeitgeber zahlen eine Pauschale.

Hintergrund: Wie viele Minijobs gibt es in Deutschland?
Die Minijobs boomen. 7,4 Millionen Minijobber zählt die Bundesagentur für Arbeit, darunter viele für die es eine Nebenbeschäftigung ist. 4,9 Millionen jedoch haben ausschließlich einen Minijob, der größte Teil von ihnen mit 3,2 Millionen sind Frauen. Die Koalition plant eine Ausweitung der Minijobs, indem die Grenze von 400 auf 450 Euro im Monat erhöht werde.

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