Bildungsmonitor 2016 : Nur Platz elf im Bildungsvergleich

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Es ist zwar einiges gut im Bildungssystem Mecklenburg-Vorpommerns, aber längst nicht alles

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18. August 2016, 20:55 Uhr

Im Vergleich der Bildungssysteme aller 16 Bundesländer belegt Mecklenburg-Vorpommern nur den elften Platz. Zu diesem Ergebnis kommt der gestern veröffentlichte „Bildungsmonitor 2016“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Nur Bremen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Berlin schnitten noch schlechter ab.

Dabei hat MV durchaus Stärken. Bildungserfolg ist hier weniger als in anderen Ländern von der sozialen Herkunft abhängig. Hervorhebenswert ist auch das gute Angebot an Ganztagsplätzen im Kindergarten und in der Sekundarstufe I, also den Klassen 5 bis 10. Während im Jahr 2015 hierzulande 66,5 Prozent der 3- bis 6-Jährigen einen Ganztags-Kitaplatz hatten, waren es im Bundesdurchschnitt nur 43,7 Prozent. In der Sekundarstufe I besuchten in MV 75,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Ganztagsschule, im Bundesdurchschnitt waren es nur 39,6 Prozent.

Doch gibt es auch viele Schattenseiten. Bei der Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern ist das Land bundesweites Schlusslicht. Auch bei der Betreuungsrelation liegt MV sowohl im Kindergarten als auch in Grund- und beruflichen Schulen sowie an Gymnasien deutlich über dem Bundesdurchschnitt, sprich: Erzieher und Lehrer müssen sich hier um mehr Kinder kümmern als anderswo. Dazu kommt die unausgewogene Altersstruktur der Lehrer: Sowohl bei den allgemeinbildenden als auch bei den beruflichen Schulen weist das Land den zweitschlechtesten Wert im Bundesvergleich auf.

Häufiger als anderswo müssen Kinder hier eine Klasse wiederholen: 2014 war das bei 3,7 Prozent der Mädchen und Jungen in den Klassen 5 bis 10 der Fall, im Bundesdurchschnitt dagegen nur bei 2,6 Prozent.

Positiv fällt hierzulande das, gemessen an der Zahl potenzieller Bewerber, besonders große Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen auf. Als problematisch bezeichnen die Studienautoren allerdings die hohe Zahl vorzeitig aufgelöster Ausbildungsverträge in MV. 2014 beendeten 38 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre ohne Abschluss, das war der dritthöchste Wert bundesweit (Bundesdurchschnitt: 27,7 Prozent). Hervorhebenswert dagegen: Absolventen von Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen schlossen hierzulande ihre Ausbildung deutlich häufiger (93,8 Prozent) erfolgreich ab als im Bundesdurchschnitt (79,6 Prozent).

Beim Arbeitgeberverband Nordmetall werfen die Ergebnisse der Studie „ernste Fragen zur Arbeit des Bildungs- und Wissenschaftsministeriums“ auf. „Es darf nicht ein jahrzehntelang hingenommenes Naturgesetz sein, dass Kinder und Jugendliche im Norden bei Bildungsstudien regelmäßig schlechter dastehen als die im Osten und Süden“, forderte Arbeitgeberpräsident Thomas Lambusch. „Wir brauchen endlich einen norddeutschen Bildungsaufbruch der Politik.“

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, kritisiert: „Die berufliche Bildung in MV kommt nicht aus dem Tief, denn die Landesregierung hat es jahrelang versäumt, die erforderlichen Mittel in die Hand zu nehmen.“Nötig seien der Erhalt kleiner Berufsschulstandorte, eine wesentlich bessere Unterrichtsausstattung, ein Vertretungsbudget und die Verbesserung der Berufsorientierung an den Schulen. Zudem sollte der Weg zur Berufsschule für alle kostenfrei sein, fordert die Linken-Politikerin.

Bundesweit kaum Verbesserungen

Sachsen, Thüringen und Bayern belegen im „Bildungsmonitor 2016“ die Spitzenplätze. Zum ersten Mal in 13 Jahren Bildungsmonitor hätten die Länder im Durchschnitt aber keine Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr erreicht, so der Geschäftsführer der Initiative neue Soziale Marktwirtschaft, Hubertus Pellengahr. „Der Bildungsmonitor zeigt, dass die Länder im Sinne des föderalen Wettbewerbs voneinander lernen könnten und müssten. Leider findet dieser Wettbewerb nur sehr eingeschränkt statt“, bedauert er.

Bei der Integration ausländischer Schüler hat es der Studie zufolge sogar Rückschritte gegeben. Schon im nächsten Jahr würden für die Eingliederung junger Flüchtlinge Kosten von 3,45 Milliarden Euro entstehen, so die Studie – langfristig dürften sich diese Ausgaben für den Staat aber bezahlt machen, schätzen die Autoren ein.

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