Nur noch Asche

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24. April 2009, 06:56 Uhr

Stralsund | Die Großeltern verfolgten den Schuldspruch von den Zuschauerbänken aus, danach gingen sie wortlos davon. Nach einer skrupellosen Brandstiftung in ihrem Haus im nordvorpommerschen Altenpleen müssen ihre beiden 23 und 24 Jahre alten Enkel und deren Komplize für neun, acht und sieben Jahre in Haft. Das Landgericht Stralsund sprach das Trio gestern des versuchten Mordes, der besonders schweren Brandstiftung und des mehrfachen Diebstahls schuldig. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sie nach Diebstählen im Spätsommer 2008 die Doppelhaushälfte der abwesenden Eheleute in Brand setzten, um Spuren zu verwischen. Das Feuer griff auf die andere Haushälfte über, in der eine vierköpfige Familie schlief. Die Nachbarn konnten sich retten, weil die Mutter mit Atembeschwerden aufgewacht war.

Mit seinem Urteil ging das Gericht sogar noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Es sah alle Mordmerkmale wie Heimtücke, Verdeckungsabsicht und Gemeingefährlichkeit als gegeben an. Ausführlich begründete die Richterin das Strafmaß: "Wenn jemand auf diese hochgefährliche Art und Weise ein Feuer legt, muss er mit der Möglichkeit rechnen, dass Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden."

Die Täter nahmen das Urteil äußerlich gefasst auf. Sie waren während eines fünfwöchigen Urlaubs der Großeltern mehrfach in das Haus eingebrochen, um Geld sowie Silber- und Goldbarren aus dem Tresor zu stehlen. Sie ließen Geld, wertvolle Uhren und Edelmetall im Wert von 93 600 Euro mitgehen. Weil sie trotz einer Reinigungsaktion fürchteten, als Täter überführt zu werden, legten sie ein Feuer. Mit Wasserzerstäubern verteilten sie Benzin im Haus. Das Feuer richtete mehr als 700 000 Euro Schaden an.

Die Männer hatten die Tat im Prozess weitgehend gestanden, den Vorwurf des versuchten Mordes jedoch von sich gewiesen. Ihren Aussagen nach, hatten sie geglaubt, das Feuer werde schnell entdeckt. Ihre Verteidiger prüfen eine Revision.

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