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Schwänzekupieren bei Ferkeln : Nur Kürzen hilft gegen das Knabbern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tierschützer fordern seit Jahren ein Ende des Schwänzekupierens bei Ferkeln. Nach Studien zum Verhalten von Schweinen in verschiedenen Haltungsformen sind sich Wissenschaftler und Praktiker einig: Es gibt keine Methode, das gegenseitige Knabbern an Schwänzen zu verhindern.

Die Ringelschwänze beim Schwein beschäftigen derzeit bundesweit etwa zehn wissenschaftliche Einrichtungen sowie Praktiker in der Schweinehaltung. Sie wollen Lösungen finden, um auf das Kürzen der Schwänze von Ferkeln zu verzichten. In Mecklenburg- Vorpommern forschen Wissenschaftler des Instituts für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt in Dummerstorf bei Rostock zu dem Thema.

Am Mittwoch hatte der Landesbauernverband Wissenschaftler, Schweinehalter und andere Experten nach Benitz im Landkreis Rostock eingeladen. Das Fazit: „Es gibt keine Alternative zum Kupieren von Schwänzen bei Schweinen. Je eher, desto besser, weil schmerzfreier“, sagte der Leiter des Instituts für Tierproduktion, Winfried Matthes.

Das Institut hat mit einem Agrarunternehmen bei Rostock über mehrere Monate eingehende Studien zum Verhalten der Schweine unter unterschiedlichen Haltungsbedingungen vorgenommen. Von Januar bis September 2014 wurde das Verhalten von 672 Schweinen des Betriebes GGAB Groß Grenz untersucht. Die Tiere durften ihre Schwänze behalten.„Wir haben alle bekannten Möglichkeiten zur Verbesserung des Tierwohls getestet. Am Ende hatten selbst bei optimalen Haltungsbedingungen immer noch 20 Prozent der Tiere schmerzhafte Missbildungen an ihren Schwänzen. Das ist einfach zu viel“, bilanzierte Geschäftsführerin Kathrin Naumann.

„Bislang gibt es weltweit kein Patentrezept, wie verhindert werden kann, dass sich Schweine in der üblichen Gruppenhaltung nicht gegenseitig die Schwänze an- und mitunter gänzlich abbeißen“, sagte der Leiter des Schweinekontroll-Beratungsrings in Mecklenburg-Vorpommern, Jörg Brüggemann.

Nach Ansicht von Wissenschaftlern und Praktikern ist Langeweile im Stall die Hauptursache für diese Verhaltungsstörung. Sie sei aber auch genetisch begründet. In den 1970er Jahren seien neue Rassen eingekreuzt worden, die wesentlich agiler seien als die früheren sogenannten Fettschweine.

Als vorbeugende Maßnahme gegen das Schwänzebeißen favorisieren Wissenschaftler und Schweinehalter nach wie vor das Kupieren im Ferkelalter. Dabei werden die Ringelschwänze durch einen Schnitt auf zwei Drittel gekürzt. Die Schwanzspitze ist besonders anziehend zum Knabbern. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die geringe Durchblutung der Spitze mit wenig Nerven dafür verantwortlich ist, dass sich die betroffenen Tiere kaum wehren. Umso höher ist die Infektionsgefahr.

Tierschützer fordern einen sofortigen Stopp des Kupierens. Sie plädieren für bessere Haltungsbedingungen und kleinere Tiergruppen in den Ställen. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wollen das Kupieren bereits im kommenden Jahr grundsätzlich verbieten. Am 2. April wollen sich alle bundesweit an diesem Thema Beteiligten zu einem Erfahrungsaustausch in Kassel treffen.

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