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Nur jeder zweite Ältere übersteht die Probezeit

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erstellt am 13.Aug.2012 | 11:04 Uhr

Schwerin | So gut wie jeder zweite ältere Hartz-IV-Empfänger, der einen neuen Job gefunden hat, ist ihn nach sechs Monaten schon wieder los: Nur 55 Prozent dieser Arbeitsverhältnisse von über 50-Jährigen halten länger. Das bestätigten jetzt die Arbeitsagentur Nord und das Arbeitsministerium in Schwerin auf Nachfrage unserer Redaktion.

Unter anderem, um diesem Trend entgegenzuwirken, haben beide Institutionen jetzt eine "Vereinbarung zur Weiterentwicklung der Arbeitsmarktpolitik" geschlossen. "Hier soll zukünftig ein Job coach aktiv werden, der den jeweiligen Arbeitnehmer, aber auch den Arbeitgeber bei möglichen Anfangsschwierigkeiten im Betrieb individuell unterstützt", sagte Agentur-Chefin Margit Haupt-Koopmann. Man wolle Arbeitslose, die über 50 Jahre alt sind und einen neuen Job gefunden haben, unterstützen. Die Erfahrung zeigt, dass es häufig notwendig ist, diese neuen Beschäftigungsverhältnisse zu begleiten - "um sie zu stabilisieren und die Probezeit erfolgreich zu meistern."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) richtet in dem Zusammenhang deutlich kritische Töne an die Adresse der Unternehmer: "Das Heuern und Feuern ist zur neuen Unternehmenskultur in vielen Firmen geworden. Die Stichworte sind: Leiharbeit, Befristungen, Saisonarbeit, Minijobs. Hartz-IV-Bezieher leiden darunter besonders", sagte der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn. Die hohe Zahl der Rückkehrer in das Hartz-IV-System zeige, dass die Anstrengungen zur Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt verstärkt werden müssten - nötig seien vor allem Qualifizierung über längere Zeiträume und verbindliche Zusagen zur Übernahme durch den Arbeitgeber. Tatsächlich aber sei es für Hartz-IV-Empfänger eher schwieriger geworden, einen regulären Job zu finden. Und viele arbeiteten dann nur so kurz, dass sie nach ihrer Entlassung sofort wieder in den Hartz-IV-Bezug fallen. "Die Agentur für Arbeit muss die Betriebe stärker unter die Lupe nehmen und sich noch mehr um die Qualität der Arbeitsplätze kümmern, auf die vermittelt wird. Das Ziel muss stabile Beschäftigung sein, nicht Tagelöhnerei", so der Gewerkschafts-Chef.

Laut Auskunft der Arbeitsagentur wird es in einer Testphase den Jobcoach noch in diesem Jahr geben. Geplant ist vorerst, an zwei Standorten - einer ist Neubrandenburg - jeweils einen Jobcoach einführen und das Konzept zu erproben. Das Projekt werde begleitet und die Ergebnisse ausgewertet. "Wenn es erfolgreich ist - und davon gehe ich aus - sollen ab 2014 landesweit Jobcoachs eingeführt werden", so die Leiterin der Arbeitsagentur. Finanziert werden soll das Ganze aus dem Europäischen Sozialfonds. Da noch Absprachen nötig sind, ist der Start der Testphase für Oktober vorgesehen. Die Jobcoachs sollen nicht mehr als 50 "Fälle" betreuen.

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