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Wirtschaft : Nur jeder Zehnte bildet sich weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nordosten bei Weiterbildung mit Schlusslicht

Pauken neben dem Job: Viele reden vom lebenslangen Lernen, in Mecklenburg-Vorpommern tun es aber nur wenige. Der Nordosten gehört neben Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland zu den vier Regionen mit der niedrigsten Weiterbildungsquote in Deutschland – trotz Rechtsanspruch auf fünf Tage Freistellung nach dem Bildungsfreistellungsgesetz. Gerade einmal jeder zehnte Bürger ab 25 Jahre nahm in MV mindestens einmal im Jahr an einer Weiterbildung teil, geht aus dem gestern von der Bertelsmann-Stiftung vorgelegten zweiten Deutschen Weiterbildungsatlas hervor. Im bundesweiten Schnitt hat sich jeder Achte mindestens einmal im Jahr weitergebildet, heißt es in der erstmals für alle Landkreise und Städte vorgelegten Analyse.

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Ein Sprachkurs in der Freizeit oder ein beruflicher Lehrgang: Das Angebot lässt in MV zu wünschen übrig. So stehen im Nordosten beispielsweise an Volkshochschulen weniger als drei Kurse je 1000 Einwohner auf dem Stundenplan – nur ein Drittel des Angebots im vergleichbaren Schleswig-Holstein. „Von einer gleichwertigen Versorgung mit Volkshochschulkursen sind wir weit entfernt“, urteilen die Studien-Schreiber.

Kaum besser sieht das betriebliche Weiterbildungsprogramm zwischen Boizenburg und Pasewalk aus. Mecklenburgern und Vorpommern standen der Analyse zufolge je 1000 Einwohnern 42,97 betriebliche Weiterbildungsangebote zur Verfügung – fast fünf weniger als im bundesweiten Durchschnitt. Nur in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen sahen die Kursangebote noch schlechter aus. „Weiterbildungschancen in Deutschland sind regional ungleich verteilt“, kritisierte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung am Montag.

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Für die Gewerkschaften in MV ein hausgemachtes Problem: „Diesen Tabellenplatz verdanken wir den Arbeitgebern, die nur auf die Kosten kucken und in ihren Unternehmen keine nachhaltige Fachkräfteentwicklung betreiben“, kritisiert DGB-Nord-Chef, Uwe Polkaehn: „In vielen Klein- und Mittelbetrieben beherrscht leider ein weiterbildungsfeindliches Klima, deshalb braucht man Selbstbewusstsein und starke Nerven, wenn man als Arbeitnehmer beim Chef seinen Wunsch nach einem Lehrgang, Sprachkurs oder Bildungsurlaub durchsetzen will.“ Dabei zahle sich Weiterbildung aus, meinte Polkaehn. Der Wandel der Arbeitswelt erfolge in einem immer schnelleren Tempo und könne nur gelingen, wenn Weiterbildung eine Kernkompetenz kluger Unternehmensleitungen werde.

Den Vorwurf lässt die Wirtschaft nicht auf sich sitzen: Die Weiterbildungsdefizite seien in den Strukturproblemen des Landes begründet, versucht die Vereinigung der Unternehmensverbände (VUMV) eine Erklärung. In einem Flächenland ,aber auch in der kleinstrukturierten Wirtschaft des Landes lasse sich Weiterbildung schlechter organisieren, erklärte VUMV-Sprecher Jens Matschenz gestern. In wirtschaftlich starken Regionen könnten Weiterbildungsangebote in den Belegschaften besser durchgesetzt werden.

Im Nordwestkreis offenbar aber nicht: Ausgerechnet eine der wirtschaftlich stärksten Regionen in MV weist die größten Defizite im Nordosten auf, geht aus der Studie hervor. Sowohl bei öffentlichen als auch betrieblichen Weiterbildungsangeboten fällt die Region im Landesvergleich auf den letzten Platz ab. Die besten Werte in Mecklenburg-Vorpommern erreichten hingegen die Landeshauptstadt Schwerin und der Landkreis Vorpommern -Rügen.

 

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erstellt am 04.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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