zur Navigation springen

Kriminalität in MV : Nur jede 14. Tat angezeigt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erste Dunkelfeldstudie: Viele Bürger wollen mehr Polizeistreifen

svz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 21:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern wird nur jede 14. Straftat angezeigt. Das ergab eine Dunkelfeldstudie zur Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern, die Innenminister Lorenz Caffier (CDU) gestern präsentierte. Für diese Studie hatte das Landeskriminalamt (LKA) die Antworten von 3170 Bürgern aus allen Teilen des Bundeslandes ausgewertet. „So sind 40,3 Prozent der Befragten im Alter von mehr als 16 Jahren im vergangenen Jahr mindestens einmal Opfer einer Straftat geworden oder es ist versucht worden, sie durch eine Tat zu schädigen“, sagte Innenminister Caffier.

Besonders niedrig ist demnach die Anzeigebereitschaft der Betroffenen bei häuslicher Gewalt. In 98,4 Prozent der Fälle würden prügelnde Ehe- und Lebenspartner, Eltern oder Geschwister nicht angezeigt. Gründe für das Schweigen seien am häufigsten Angst vor den Tätern und Scham, erklärte Ingolf Mager, Chef des LKA. Auch würden Opfer die Tat fälschlicherweise oft als einen nicht so schwerwiegenden Zwischenfall empfinden.

Bisher wurde die Entwicklung der Kriminalität nur durch die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) dargestellt. Die PKS gibt aber lediglich an, wie viele Straftaten angezeigt wurden und nicht, wie viele tatsächlich stattgefunden haben.

Hoch ist das Dunkelfeld auch bei Sexualdelikten. 98,9 Prozent der Taten werde nicht angezeigt, so Mager. Allerdings seien die meisten der bei der Befragung angegebenen Sexualdelikte Belästigungen durch Handy-Nachrichten mit anstößigen Inhalten.

Innenminister Caffier appellierte an die Bürger, Straftaten anzuzeigen. Nur so könnten die Strafverfolgung eingeleitet und die Täter bestraft werden.

Aus der Studie geht ebenfalls hervor, dass 45,3 Prozent der Befragten den Streifendienst der Polizei mit ungenügend, mangelhaft oder ausreichend benotet. Mehr Polizei auf der Straße war aber ein Ziel der Polizeistrukturreform vor fünf Jahren.

Befragt wurde auch das Sicherheitsempfinden. „Nur knapp 60 Prozent der Bevölkerung fühlen sich nachts noch sicher“, kritisierte Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Der seit Jahren stattfindende Personalabbau in der Polizei führe dazu, dass Ermittlungsverfahren lange dauern würden und eine polizeiliche Präsenz auf der Straße immer weniger wahrzunehmen sei, so die GdP.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen