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Gesundheitsland MV : Nur ein Diabetologe für 27 000 Einwohner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bundesweit höchste Erkrankungsrate in MV. Diabetes-Mobil tourt durchs Land.

svz.de von
erstellt am 13.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern ist nicht nur das Bundesland mit den – gemessen an der Einwohnerzahl – meisten Diabetikern. Es ist auch das Land, in dem zu ihrer Betreuung die wenigsten Spezialisten zur Verfügung stehen. Die „Diabetesberatung auf Rädern“, die gestern in Schwerin startete, könnte perspektivisch Abhilfe schaffen.

Nach neuesten Zahlen der AOK Nordost leiden 13,53 Prozent der Mecklenburger und Vorpommern an Diabetes vom Typ 1 oder 2. Im Bundesdurchschnitt sind es acht Prozent der Bevölkerung.

„Die Erkrankungshäufigkeit nimmt kontinuierlich zu“, weiß der Vorsitzende der Regionalgesellschaft MV der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Dr. Stefan Zimny. „Waren 2001 noch neun Prozent der Menschen hier im Land betroffen, sind es jetzt schon knapp 14 Prozent.“ Und: Auf einen erkannten Diabetes-Patienten kämen zwei weitere mit einer Vorstufe der Erkrankung. Dennoch gebe nirgends weniger auf die Versorgung von Diabetikern spezialisierte Fachärzte: „Im statistischen Durchschnitt kommt hier ein Diabetologe auf 27 000 Einwohner“, so Zimny. Das sind ca. 3780 Patienten pro Facharzt. Zum Vergleich: Ein Hausarzt betreut im Schnitt 1400 Patienten. Zimny zufolge ist die Situation in den Oberzentren Rostock, Schwerin, Greifswald und Stralsund noch relativ gut. „Auf dem Land sieht die Versorgung aber ganz anders aus.“

Gerade hier könnte das Diabetes-Mobil Abhilfe schaffen. Es soll zudem die vielen bislang unentdeckten Diabetiker aufspüren – Schätzungen gehen von Dunkelziffern zwischen 20 und 50 Prozent aus. Der Kleinbus mit einem Diagnostiklabor an Bord wird an insgesamt acht Orten im Land Station machen. Interessenten können dort ihr Erkrankungsrisiko testen und den Blutzuckerwert ermitteln lassen. Von Diabetesberatern bekommen sie Tipps für eine gesündere Lebensführung. Später wird telefonisch nachgefragt, ob diese umgesetzt wurden. Träger des vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Modellprojekts sind die Initiative diabetesDE und der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Deutschen Diabetes-Hilfe. Deren Bundesgeschäftsführerin Nicole Mattig-Fabian verweist auf die dramatischen Folgen des Diabetes: 40 000 Amputationen, 2000 Erblindungen und 2300 neue Dialysefälle gehen jährlich auf das Konto der Erkrankung.

In einer wissenschaftlichen Begleitung soll geklärt werden, ob das Mobil künftig kontinuierlich auch zur Betreuung von Diabetikern eingesetzt werden kann. „In Schleswig-Holstein gibt es bereits Ärzte auf Rädern“, so Zimny. Eine entsprechende Änderung der Berufsordnung würde er auch in MV begrüßen.

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