Humanitäre Aktion : Nur die Deutschen halfen

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Orthopäde und Krankenhaus Hagenow linderten kostenlos die Schmerzen eines Irakers.

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10. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Dass er nach dem blutigen Selbstmordattentat vor drei Jahren bei einem „Traumfest“ in Bagdad überhaupt noch lebte, grenzt schon ein großes Wunder. Jetzt hat der 70-jährige Händler Sabah Abdulmageed sein zweites Wunder erlebt, im Hagenower Krankenhaus.

Dort wurde dem Iraker jetzt in selbstloser Weise von einem Ärzteteam geholfen. Ohne Honorar für die Ärzte und ohne Rechnung für den Patienten. Seinen durch die Explosion schwer verletzten Arm kann er nach der Behandlung in Hagenow wieder ganz gut bewegen. Vor allem aber sind die Schmerzen, die den Mann seit drei Jahren peinigten, so gut wie weg. Ganz beseitigen lassen sich die Folgen des grausamen Attentats zwar nicht. Aber der Mann, der vor Jahren nur zufällig am falschen Ort war, wird nach seiner Rückkehr im Kreise seiner Familie wieder ein halbwegs normales Leben führen können.


Humanitäre Aktion hat viele Väter


Dass diese humanitäre Aktion überhaupt zustande kam, liegt an vielen glücklichen Umständen, aber auch an klaren Entscheidungen. Zunächst natürlich am seinem Sohn Ali sabah Abdulmajeed, der in Schwerin schon seit Jahren lebt und in der Stadt in den Schweriner Höfen einen Dönerladen betreibt.

Als sein Vater per Einladung auf Besuch war, wandte er sich um Hilfe an die Caritas. Deren Mitarbeiterin Silke Meier wandte sich aufgrund ihrer guten Verbindungen an den Hagenower Orthopäden Dr. Claus Köttgen. „Ich sah eine Möglichkeit, dem Mann wegen seiner Schmerzen zu helfen. Allerdings habe ich mich zuerst an andere, größere Häuser gewandt. Als man dort aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeit sah, habe ich mich um Hilfe bemüht“, so der orthopädische Chirurg. Damit meint er das Hagenower Krankenhaus. Denn eine Operation allein hätte nichts gebracht, es ging um die Kosten für die Ausstattung, das Bett, die Medizin, die Krankengymnastik. Nach einer Sitzung der Aufsichtsgremien des „Helene von Bülow-Krankenhauses“ wurde beschlossen, dem kranken Mann aus Irak kostenlos zu helfen. Das bestätigte Chefarzt Frank Mandelkow vor wenigen Tagen bei einer gemeinsamen Visite mit dem Operateur Köttgen.

Was      dem 70-jährigen Händler von Sanitäranlagen vor drei Jahren passiert ist, gehört zum Schlimmsten, das man sich vorstellen kann. Bei besagtem Traumfest zündete nämlich ein Selbstmordattentäter seinen unerkannt gebliebenen Sprengstoffgürtel, es gab 35 Tote. Das berichtet Sohn Ali, sein Vater spricht kein Wort Deutsch. Sein Vater hätte als einziger diesen furchtbaren Anschlag nur überlebt, weil er in dem Moment zufällig jemanden umarmt habe. Dieser habe dann faktisch für ihn die Wucht der Explosion und vor allem die Splitter abgefangen. Nur sein rechter Arm habe an dem Tag viel abbekommen. Die Ärzte berichteten von Brüchen, die nicht heilen wollten, von starken Dauerschmerzen, einer Faust, die der Verletzte nicht lösen konnte, von zerfetzten Nervenbahnen.

Schon kurz nach der Operation hatte sich die Situation des Kranken spürbar verbessert. Die Faust, so berichtet es der Sohn, habe sich plötzlich gelöst, die Schmerzen seien fast weg. Plötzlich könne sein Vater auch den Arm deutlich besser bewegen, obwohl das im Vorfeld gar nicht zu erwarten war. Auch wenn der Händler kaum redet und auch nicht besonders gut sehen kann, so ist ihm bei der Visite des Arztes die Dankbarkeit doch anzumerken. Er lässt die Hand von Claus Köttgen kaum noch los.

Der Orthopäde selbst ist dankbar, dass das Krankenkenhaus, die Schwestern, die Station und auch die Krankengymnastik so gut mitgespielt haben. „Die Verantwortlichen sind da mit großer Umsicht ein nicht unbeträchtliches Risiko eingegangen. Es hätte ja auch schief gehen können, und dann wären auf das Krankenhaus nicht unerhebliche Kosten zugekommen.“

Sohn Ali lobt das ganze Hagenower Team in höchsten Tönen. „Wir haben alle hier sehr viel Herz und Liebe erlebt, von allen. Davon wird mein Vater ganz sicher im Irak allen in unserer Familie erzählen.“

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