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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 22:47 Uhr

Aus dem Gerichtssaal : Nur auf Urlaub?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Haftstrafen und Bewährung im Prozess um Drogenhandel in Wismar

von
erstellt am 29.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Wegen Beihilfe zum Drogenhandel hat das Landgericht Schwerin zwei junge Albaner zu Gefängnisstrafen von vier Jahren und drei Monaten bzw. drei Jahren Jugendhaft verurteilt. Ein 21-Jähriger aus Wismar bekam zwei Jahre Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Das Trio war 2014 in der Wohnung des Wismarers aufgeflogen, wo drei Kilogramm „Speed“ und 70 Gramm Kokain teilweise im Kühlschrank lagerten. In einem Koffer fand die Polizei außerdem ein Maschinengewehr, eine Pistole und die dazugehörende Munition. Die eigentlichen Drahtzieher des Drogengeschäfts sind nach Ansicht des Gerichts allerdings zwei andere Beschuldigte, die gestern nicht vor Gericht standen. Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen bandenmäßigen Drogenhandels. Einer von ihnen sagte im Februar als Zeuge im Prozess gegen seine drei mutmaßlichen Helfer aus – und wurde auf dem Weg ins Gericht in Untersuchungshaft genommen. Inzwischen ist er allerdings wieder auf freiem Fuß.

Die beiden Albaner beteuerten bis zum Schluss ihre Unschuld. Sie waren nach eigenen Angaben bei Verwandten und Bekannten in Hamburg und waren im Sommer vergangenen Jahres nur nach Wismar gekommen, um Urlaub zu machen und die Ostsee zu sehen. Der Strand in Albanien sei schöner, befand der eine Angeklagte. Von den Drogen und den Waffen in der Wohnung des ihnen bis dahin unbekannten Wismarers wurden sie angeblich überrascht.

Die Richter nahmen ihnen diese Geschichte nicht ab. Nach ihrer Überzeugung sollten die beiden ihren Bossen helfen, in Wismar den Drogenhandel aufzubauen. Da sie kein Deutsch konnten, sollten sie vorerst die Drogen bewachen und helfen, sie für den Verkauf in Portionen abzupacken. Vom Erlös des Drogenhandels bekamen sie allerdings bis zu ihrer Festnahme nichts ab. Die Waffen wurden in die Wohnung gebracht, „um das Geschäft abzusichern“, so der Vorsitzende Richter Armin Lessel.

Der junge Gerüstbauer aus Wismar verdankt sein relativ mildes Urteil einem Deal mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft. Sein Anteil daran war eine umfassende Aussage. Er kannte einen der beiden mutmaßlichen Drahtzieher noch aus der Schule. Als dieser ihn bat, ihm seine Wohnung zu überlassen, will er vom Zweck nichts gewusst haben. Allerdings wehrte er sich auch kaum, als er vom Drogenhandel in seinen vier Wänden erfuhr. Am Drogenhandel selbst hat er sich nicht beteiligt.

Mit dem Urteil gingen nicht nur die Drogen und die Waffen in Staatsbesitz über. Das Gericht ordnete an, auch alle übrigen Utensilien des Drogenhandels einzuziehen. Auf der penibel geführten Liste standen auch drei Feinwaagen und 15 Gefrierbeutel, in denen das „Speed“ hatte verkauft werden sollen.

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