Verkehr : Nur 150 Elektroautos 2017 neu zugelassen

Benjamin Hintz, Projektmanager der Weman AG, beim Betanken eines Elektriautos auf dem Werksgelände der Wemag.
Benjamin Hintz, Projektmanager der Weman AG, beim Betanken eines Elektriautos auf dem Werksgelände der Wemag.

Interesse an E-Antrieb ist in MV gering. Verkehrsminister will mehr Ladestationen

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17. Januar 2018, 11:50 Uhr

Mecklenburger und Vorpommern haben weiterhin kaum ein Interesse am Kauf eines Elektroautos. Von den 38.760 Kraftfahrzeugen, die im vergangenen Jahr im Nordosten neu zugelassen wurden, waren lediglich 150 Autos mit reinem Elektroantrieb. Das geht aus der gestern veröffentlichten Zulassungsstatistik des Kraftfahrzeugbundesamtes (KBA) in Flensburg hervor. Damit hat sich der Bestand an reinen Elektroautos in Mecklenburg-Vorpommern laut KBA auf etwa 400 Fahrzeuge erhöht. Immerhin wurden 2017 im Land 950 Hybridfahrzeuge mit kombinierten Elektro- und Kraftstoffmotoren angeschafft.

Wie die Behörde weiter mitteilte, waren im vergangenen Jahr von den insgesamt 3,44 Millionen in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeugen 25.000 Elektro- und 85.000 Hybridautos.

Experten sehen die Gründe für das Desinteresse in Mecklenburg-Vorpommern vor allem im hohen Anschaffungspreis und der spärlichen Infrastruktur. „E-Autos sind in einem dünnbesiedelten Flächenland unattraktiv, weil die Technik für viele und lange Fahrten nicht ausgereift und die Dichte der Ladestationen zu gering ist“, sagte ADAC-Sprecher Christian Hieff. Außerdem ist die Anschaffung der Modelle weiterhin teuer.

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Auch Schwerins Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) ist der Meinung: „Es müssen mehr Schnellladestationen installiert werden.“ Nach einem von ihm im vergangenen Frühjahr in Auftrag gegebenen Infrastrukturkonzept stehen aktuell an 173 Standorten in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 308 effektive Ladepunkte zur Verfügung. Davon sind an 17 Standorten 23 Schnellladepunkte vorhanden. Die Wemag, einer der großen Energieanbieter in Mecklenburg-Vorpommern, sieht nach eigenen Angaben großes Potenzial. „Wir wollen bis Ende des Jahres 150 Ladepunkte betreiben“, sagte Projektmanager Benjamin Hintz.

2011 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, dass bis 2020 eine Million mit E-Motor angetriebene Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen. Die staatliche Prämie für den Kauf von Elektroautos stößt allerdings auch eineinhalb Jahre nach ihrer Einführung auf geringes Interesse. Lediglich 179 Anträge auf die Prämie von 4.000 Euro sind von Juli 2016 bis Anfang 2018 aus dem Nordosten beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangen, teilte die Behörde mit.

Kommentar von Thomas Volgmann: Die Auto-Nation wird abgehängt

Nur 150 von 38760 neu zugelassenen Kraftfahrzeugen in Mecklenburg-Vorpommern waren im vergangenen Jahr Elektroautos, 950 hatten Hybridmotoren. Das entspricht einem homöopathischen Anteil von 2,8 Prozent. Von der angestrebten antriebstechnischen Revolution ist im Nordosten der Bundesrepublik noch so gut wie nichts angekommen.

Und damit steht Mecklenburg-Vorpommern nicht allein. Bundesweit war der Anteil der Elektro- und Hybridautos an allen neu zugelassenen Fahrzeugen zwar mit 4,5 Prozent doppelt so hoch, aber im internationalen Vergleich äußerst gering. In Norwegen, einem führenden Land in Sachen Elektromobilität, haben 35 Prozent aller Neuzulassungen E-oder Hybridmotoren.

Mehrwertsteuer, Importsteuer und Kfz-Steuer fallen in Norwegen für E-Autos weg. Auch kann man in vielen Kommunen kostenlos parken und laden. Anreize, die Deutschland seinen E-Mobilisten nur zum Teil anbietet.

Doch nicht nur deshalb lohnt sich aus Sicht vieler Autofahrer ein Umstieg gerade in Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern nicht. Neben Anreizen fehlt die Infrastruktur. Beispielsweise schafft ein BMW i3 mit einer Batterieladung lediglich 200 bis 300 Kilometer. Dann muss der Wagen für siebeneinhalb Stunden an die Haushaltssteckdose oder für 40 Minuten an die Schnellladestation. Bei aktuell 17 Standorten mit 23 Schnellladepunkten landesweit muss der E-Autofahrer seine Route in Mecklenburg-Vorpommern ganz genau planen, will er am Ziel ankommen.

Zum Umstieg gibt es aber keine Alternative. Der Rohstoff für Diesel und Benzin ist endlich. Spätestens, wenn eine Tankfüllung das Doppelte oder Dreifache kostet, wird wohl ein Umdenken einsetzen. Dann werden andere Länder aber längst weiter sein und die Auto-Nation Deutschland abgehängt haben.

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