Matthias Platzeck in Schwerin : „Nun sag, wie hast du’s mit Russland...“

Platzeck in Schwerin
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Platzeck in Schwerin

Gretchenfrage heute Abend im sozialen Treffpunkt „Eiskristall“ im Stadtteil Großer Dreesch

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30. August 2016, 21:00 Uhr

„Nun sag, wie hast du’s mit Russland?“ lautete die Gretchenfrage heute Abend im sozialen Treffpunkt „Eiskristall“ im Stadtteil Großer Dreesch in Schwerin, in den SPD-Direktkandidat Jörg Heydorn wenige Tage vor der Wahl Matthias Platzeck (SPD), Ex-Ministerpräsident und Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums eingeladen hatte.

Für Platzeck war die Antwort klar: „Ich war von Anfang an gegen die Sanktionen, weil sie zum Gegenteil dessen führen, was sie bezwecken.“ Die gut 60 deutlich Gleichgesinnten im „Eiskristall“ belohnten das mit Applaus. Zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Vorabend nur 100 Meter Luftlinie entfernt bei einer Wahlkampfveranstaltung gefordert hatte, die Sanktionen erst aufzuheben, wenn das Minsker Abkommen von russischer Seite realisiert werde.

Platzeck hingegen fragte nach den ukrainischen Verpflichtungen aus den Abkommen: regionale Wahlen, Föderalisierung der Ukraine, besondere Wirtschaftszonen um Donezk und andere Gebiete. „Was ist, wenn die Russen ihren Teil erfüllen und die Ukraine nicht?“, fragte er, „wenn die Separatisten ihre schweren Waffen aus den Konfliktgebiete abziehen, aber die Ukraine nicht?“ Gebe es dann Sanktionen für die Ukraine? Habe es 2003 bei der größten Völkerrechtsverletzung nach dem Weltkrieg, dem Feldzug der USA im Irak, Sanktionen gegeben?

Für den SPD-Politiker führen die Sanktionen zu nichts. „Wenn man sich den gesamten Prozess nüchtern anschaut, dann hat die deutsche Wirtschaft keinen Nutzen davon gehabt. Die russische Wirtschaft nahm Schaden, dann muss man doch nur noch weiter schauen...“ Europa müsse stets die Welt retten, während man in Amerika vor allem auf die eigenen Interessen schaue, so die Anspielung.

Platzeck warnte davor, dem deutsch-russischen Verhältnis weiter zu schaden. Wer sich wünsche, dass Putin geläutert werde, irre. Wer auf eine Ablösung Putins hoffe, wisse nicht, was danach komme – ob Russland nicht auseinanderfalle. „Wir werden ohne Russland keine europäische Zukunft gestalten können“, sagte Platzeck unter großem Applaus.  

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