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Untersuchungsausschuss MV : NSU-Mord in Rostock ein Racheakt?

vom
Aus der Onlineredaktion

Expertenanhörung im Unterausschuss im Landtag

von
erstellt am 08.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Die rechtsextreme terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) habe mehr Kontaktpersonen und Unterstützer in Mecklenburg-Vorpommern gehabt als bisher offiziell dargestellt, meinte Rechtsextremismusexperte Dr. Gideon Botsch. Er trat gestern vor dem NSU-Unterausschuss des Schweriner Landtages auf. „Das Trio stand mit mindestens drei namentlich bekannten Personen aus Rostock in Verbindung“, sagte Botsch, der als Sachverständiger im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages tätig war.

Neben Martina J., die später Sekretärin in der NPD-Landtagsfraktion wurde, habe der NSU auch Kontakt zu Maik F. und Sylvia F. gehabt. Das Ehepaar sei in der verbotenen rechtsextremen Vereinigung Blood and Honour (englisch für Blut und Ehre) tätig gewesen, berichtete der Experte.

Dem Terror-Trio um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe werden unter anderem zehn politische Morde vorgeworfen – darunter der an dem Türken Mehmet Turgut im Februar 2004 in einem Imbiss in Rostock. Fünf Jahre zuvor sei fast auf den Tag genau der damals 17-jährige Bruder von Maik F., Andre F., Opfer eines Tötungsverbrechens geworden, so Botsch. Es sei von der Polizei nicht geprüft worden, ob es sich beim Mord an Turgut um einen Racheakt gehandelt haben könnte.

Tatort Rostock: 25. Februar 2004 wird Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut erschossen.

Tatort Rostock: 25. Februar 2004 wird Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut erschossen.

Foto: Nils Foltynowicz/dpa
 

Die Beamten hätten damals keine Ermittlungsansätze in rechtsextremistischen Kreisen gesehen und „damit die reale Chance zur Aufklärung der Tat und Verhinderung späterer Morde verpasst“, meinte Botsch. Bis heute seien viele Fragen ungeklärt. Dazu gehörten die Umstände der Erwähnung des NSU in dem vom späteren NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit herausgegebenen Neonazi-Magazin „Der Weiße Wolf“ im Jahr 2002. Petereit bedankte sich beim NSU für eine Spende über 2500 Euro. Vor ihm leitete Maik F. den „Weißen Wolf“. Im NSU-Prozess in München gegen Beate Zschäpe gab Petereit als Zeuge an, sich nicht mehr an den Dank an den NSU erinnern zu können.

Die Abgeordneten im NSU-Unterausschuss wollen klären, warum die rassistische Mordserie des NSU auch in Mecklenburg-Vorpommern solange unentdeckt blieb und welche Fehler die Ermittler machten.

Ann Christin von Allwörden, Vertreterin der CDU im Ausschuss, zeigte sich nach der Anhörung skeptisch. Die vom Generalbundesanwalt geführten Ermittlungen hätten bis heute keinen Tatverdacht gegen Personen aus Mecklenburg-Vorpommern ergeben. „Daran haben auch die von Herrn Dr. Botsch vorgetragenen Unterstellungen nichts geändert“, sagte die Stralsunderin.

Ganz anderer Ansicht sind die Linken. „Die Ausführungen von Dr. Botsch verdeutlichten, wie wenig das potentielle Unterstützernetzwerk des NSU bisher ausgeleuchtet wurde“, meinte der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag. Immer wieder würden Ausschussmitglieder in den Expertengesprächen Dinge erfahren, die sich in den Berichten des Innenministeriums nicht wiederfinden. Die Widersprüche müssten aufgeklärt werden.

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