Landwirtschaft : Notstand am Güllebecken

Nasse Felder, volle Lager: Die Bauern in MV können die Gülle derzeit nicht mehr ausbringen.
Nasse Felder, volle Lager: Die Bauern in MV können die Gülle derzeit nicht mehr ausbringen.

Felder unbefahrbar, Lager sind voll. Land kündigt an: Bauern können zeitweise Erdbecken anlegen

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16. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Volle Lager, unbefahrbare Äcker, Ausbringungsverbot bis Ende Januar: Mecklenburg-Vorpommerns Landwirte werden der Gülleflut kaum noch Herr. Jetzt will das Land mit Sonderregeln helfen. Die Lager sind randvoll, erklärte Bauernpräsident Detlef Kurreck gestern. Seit Wochen stehe Wasser auf den Feldern, so dass die Bauern die Gülle vielerorts nicht ausbringen konnten. Nun gelte bis Januar die übliche Wintersperrfrist. Gleichzeitig seien die Lager aber zum Bersten voll – und jeden Tag falle in den Ställen mehr Jauche an. „Die Natur zeigt uns, wo die Grenzen sind“, sagte Kurreck: Auf dieses Übermaß sei das System nicht ausgelegt. Entspannung ist kaum in Sicht. Inzwischen würden einige Landwirte mit riesigem Aufwand die Gülle in freie Lager anderswo verteilen. Ab 1. Februar dürfe zwar wieder Gülle ausgebracht werden. Es sei aber nicht sicher, ob die Felder bis dahin befahrbar seien. „Ich befürchte, dass die Kapazitäten zur Lagerung der Gülle in einzelnen Betrieben vor Ende der Sperrfrist weitgehend ausgereizt sind“, hatte Agrarminister Till Backhaus (SPD) vor wenigen Tagen erklärt. Volle Gräben am Feldrand, Niederschlagswasser in der Ackerfurche: „Wir kommen seit dem Herbst nicht auf die Felder“, meinte Kurreck: „Wir brauchen einen Plan B.“

Den hat das Land jetzt auf den Tisch gelegt: MV werde den Bauern die Möglichkeit schaffen, mobile Lager zu nutzen, temporäre Lager in ungenutzten Fahrsilos einzurichten oder zeitweise genehmigungsfreie Erdbecken anzulegen, um Gülle und Gärreste zu lagern, kündigte das Landwirtschaftsministerium gestern an. Kommende Woche solle dazu ein entsprechender Umsetzungserlass vorgelegt werden, der konkrete Rahmenbedingungen und einzuhaltende Vorgaben beinhalten solle. Bauern, die zusätzliche zeitweise Lager anlegten, müssten diese nach dem Ende des Ausbringungsverbots Ende Januar zuerst leeren und dann „zeitnah“ wieder abreißen. Die Not ist groß: Die ersten Bauern hätten bereits nachgefragt, teilte das Agrarministerium mit.

Bauernpräsident Kurreck begrüßte die Entscheidung. Selbst Umweltschützer zeigten für die Maßnahmen Verständnis: Es müsse aber abgesichert werden, dass die zeitweisen Lager tatsächlich auch nur Provisorien blieben und wieder abgebaut würden, forderte die Landeschefin des Bundes für Umwelt und Natur (BUND), Corinna Cwielag, gestern. Außerdem müssten sie abgedeckt werden, um die Schadstoffbelastung zu verringern. Auf alle Fälle sollten die Zusatzlager vor der Nutzung von den Wasserbehörden kontrolliert werden, um Schäden zu vermeiden. Im vergangenen Jahr war es bundesweit zu etwa 2000 Güllehavarien gekommen.

Die Verschärfung der Düngeverordnung und länger geltende Sperrfristen hatten die Landwirte in MV bereits zu Jahresbeginn vor Probleme gestellt. Bei den Behörden waren eine Reihe von Anzeigen wegen fehlerhafter Ausbringung der Gülle eingegangen. Mancherorts hatten die Bauern trotz Verbots auch auf gefrorenen Böden Gülle ausgebracht.



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