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Notfalls hielt die WM 66 auch Bockwürste heiß

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erstellt am 01.Nov.2013 | 12:05 Uhr

Krakow Am See/Rostock | Als Regina Wylegala am 24. April 1982 geheiratet hat, ist sie nicht nur eine feste Bindung mit ihrem Mann eingegangen. An diesem Tag trat auch der Organer Mixer RG 28 s in ihr Leben - ein Geschenk von dem Betrieb, in dem Regina Wylegala zu diesem Zeitpunkt arbeitete. Über die Jahre hat sie das Haushaltsgerät im Familienalltag in vielen Situationen gut gebrauchen können. "Als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich ihn fast täglich zum Möhren pürieren und Essen zerkleinern benutzt", schreibt sie in ihrem Leserbrief. Auch zum Kuchen backen und Brötchenteig kneten sei der Mixer ideal.

Nach mehr als 31 Jahren ist der RG 28 s ein fester Bestandteil in Regina Wylegalas Haushalt. So benutzt sie ihn etwa, um sich selbst Erdbeershakes zu machen oder Fruchtsäfte zu verquirlen. "Ich hoffe ja stark, dass er mir auch in den nächsten 31 Jahren treu bleibt."

Auch die Rostockerin Marga Nonnenmacher hängt seit mehr als drei Jahrzehnten an ihrem alten Mixer. Die 81-Jährige benutzt ihr Schmuckstück immer noch sehr gern. "Ich schlage immer noch meine Schlagsahne damit", erzählt sie. Zu frischen Erdbeeren schmecke die selbstgemachte Süßigkeit einfach am besten. Bis jetzt habe sie der Mixer nicht einmal im Stich gelassen. "Er musste wirklich nie repariert werden", erzählt Marga Nonnenmacher. Sich von ihrem heißgeliebten Mixer zu trennen, kommt für die Rentnerin nicht in Frage. "Ich bin nicht der Typ, der viel wegschmeißt. Was funktioniert, bleibt."

Die Rostockerin Ingrid Köpke hat ihr Herz gleich an zwei Klassiker unter den Haushaltsgeräten verloren. Bereits seit 1970 wäscht sie ihre Kleidung mit dem in DDR-Zeiten sehr beliebten Waschmaschinen-Modell. Außerdem in ihrem Besitz: eine Tisch-Schleuder, die ebensoviele Jahre der Hausarbeit hinter sich hat. "Sie sind voll funktionstüchtig, hatten bis heute keine Reparatur", hat uns Ingrid Köpke geschrieben. Die Geräte seien für sie das größte Gut, da sie sich immer auf sie verlassen könne.

Von ihren Freunden und Bekannten bekommt Ingrid Köpke regelmäßig den Ratschlag, sich endlich eine moderne Waschmaschine zuzulegen. Dieser Schritt kommt für sie jedoch nicht in Frage. "Ich bleibe meiner WM 66 und meiner Tisch-Schleuder treu und wenn sie nicht mehr funktionstüchtig sind, bringe ich alles in das Heimatmuseum."

Bockwürste in der Waschmaschine

Durch ihre Liebe zu den alten Haushaltsgeräten ergeben sich oft lustige Gespräche in geselligen Runden. So erzählen sich Ingrid Köpke und ihre Bekannten auch, welche kuriosen Situationen sie schon mit der WM 66 erlebt haben. Eine witzige Anekdote hat Ingrid Köpke selbst in der Faschingszeit in der Sporthalle im Rostocker Stadtteil Schmarl erlebt. "Die WM 66 wurde benutzt, um die Bockwürste warm zu halten. Bei so vielen Gästen an dem Abend war das natürlich ideal", erzählt sie.

Eine ihrer Bekannten habe die DDR-Waschmaschine einmal dazu benutzt, das Wasser für die Kinderbadewanne ihrer Enkelin heiß zu machen. "Alle lachten und wir hatten an diesem Nachmittag unseren Spaß."

Als einziger Grund, warum sie ihre heißgeliebte WM 66 gegen eine neue Waschmaschine austauschen würde, fällt Ingrid Köpke nur das Nachlassen ihrer Gesundheit ein. "Man wird älter und fragt sich, muss sie weichen für eine modernere Waschmaschine?" Sie werde ihre WM 66 aber solange wie möglich benutzen. "Schön wäre es ja, wenn das Haushaltspaar heil bleibt und mit mir alt wird."

Eier kochen mit dem "Gackel Boy"

Annelies und Jürgen Dillwitz haben in ihrem Haushalt sogar eine ganze Schar von elektronischen Geräten, die ihnen schon seit mehreren Jahrzehnten treue Dienste leisten. So kocht das Ehepaar seine Frühstückseier mit dem "Gackel Boy", der bereits seit 1988 ein fester Bestandteil ihrer Küche ist. Noch mehr Jahre hat ihr Heizlüfter RL 06 hinter sich. "Den Heizlüfter kauften wir 1968 im Ostseebad Wustrow", haben uns die beiden geschrieben. Darüber hinaus besitzt Familie Dillwitz unter anderem einen Toaster von 1971, eine elektrische Kleinküche Typ Charlotte aus dem Jahr 1984 und eine Bohrmaschine BM 10, die 1960 hergestellt wurde.

Im Stich gelassen wurden Annelies und Jürgen Dillwitz nie von ihren Haushaltsgeräten. "Wir haben sie noch täglich in Gebrauch und sie arbeiten zuverlässig."

Christa Thiemich aus Schwerin besitzt ebenfalls noch ein altes Gerät. Wenn ihre Finger es mitmachen, näht sie gelegentlich noch auf ihrer alten elektrischen Zickzack-Nähmaschine. Einmal musste sie schon repariert werden, in der Zukunft würde es Christa Thiemich allerdings nicht mehr tun. Hergestellt wurde die Nähmaschine am 8. April 1976 - vor mehr als 37 Jahren.

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