Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst soll umgestellt werden : Notfallpraxis statt Hausbesuch?

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Der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst in MV wird übersichtlicher. Nach Schwerin, Wismar und Bergen sollen demnächst auch Neubrandenburg, Ludwigslust und Anklam Notfallpraxen an Krankenhäusern bekommen.

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07. Januar 2013, 07:12 Uhr

Neubrandenburg | Schwerin , Wismar und Bergen machen es vor, bald sollen Ludwigslust, Neubrandenburg und Anklam folgen: "Dort laufen Verhandlungen mit den Krankenhausträgern mit dem Ziel, an ihren Standorten ständige Sprechstunden für den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst einzurichten", bestätigt Dr. Wolfgang Eckert, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV). "Wir wollen eine Verlagerung der Patientenkontakte aus dem Hausbesuch in die Praxis."

Notfallpraxen sollten wie in der Landeshauptstadt und auf Rügen bevorzugt an einem Krankenhaus eingerichtet werden, so Eckert. Denkbar seien aber auch Modelle wie in Rostock, wo es für den Bereitschaftsdienst zwei separat gelegene Praxen gibt. Für Standorte an Kliniken spreche aber, dass sich schon jetzt viele Patienten außerhalb der regulären Praxissprechzeiten an die Notaufnahmen der Krankenhäuser wendeten.

Über die Kosten für die Behandlung dieser Patienten streiten Krankenhäuser und Kassenärzte seit Jahren erbittert. Erst vor wenigen Wochen hatte die Krankenhausgesellschaft des Landes hervorgehoben, dass sie mittlerweile doppelt so viele Patienten ambulant wie stationär behandeln würde - nicht zuletzt, weil Patienten abends oder an Wochenenden gleich ins nächstgelegene Krankenhaus fahren würden, statt sich auf die Suche nach dem diensthabenden Bereitschaftsarzt zu machen. Krankenhausärzte dürften diese Patienten nicht einfach zurückweisen, sondern müssten klären, welcher Art ihre Beschwerden sind und wie dringlich sie behandelt werden müssen. Stelle sich dabei heraus, dass der Patient keine bedrohliche Erkrankung hat, blieben die Krankenhäuser auf dem Gros der Kosten sitzen, monierte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV), Wolfgang Gagzow.

Die Kassenärztliche Vereinigung hielt unter anderem dagegen, dass seit April sehr viel weniger Patienten zu den Schließzeiten der ambulanten Praxen in Krankenhäusern Rat und Behandlung gesucht haben dürften. Denn allein zwischen Mitte April und Anfang November hätten 40 000 Mecklenburger und Vorpommern sich unter der neu geschalteten bundesweit einheitlichen Rufnummer 116 117 nach dem nächsten ambulanten Bereitschaftsarzt erkundigt bzw. seien direkt zu ihm weiterverbunden worden. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2011 konsultierten knapp 300 000 Patienten den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst im Land.

Diesen zu besetzen, wird angesichts des um sich greifenden Ärztemangels immer schwieriger - davor kann auch die Kassenärztliche Vereinigung nicht die Augen verschließen. Sie setzt darauf, dass das neue Modell der Notfallpraxen Entspannung bringen könnte. Für die Arbeit dort sollen Freiwillige gewonnen werden -"ältere Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel, denen es schwer fällt, zu Hausbesuchen zu fahren oder Treppen zu steigen", so Eckert.

Der KVMV-Chef begründet die geplante Verlagerung des Bereitschaftsdienstes in Notfallpraxen aber auch damit, dass Ärzte bei Hausbesuchen nur "mit eingeschränktem Repertoire" unterwegs seien - in Notfallpraxen könne dagegen eine umfangreiche Geräteausstattung vorgehalten werden. Dazu kämen die oft sehr schlechten Untersuchungsbedingungen, unter denen Mediziner in der Häuslichkeit arbeiten müssten: Schlechtes Licht, schlechte Luft, mitunter auch schlechte hygienische Verhältnisse, zählt der KVMV-Chef auf. Da könne es auch passieren, dass wichtige Symptome wie gelbe Augen einfach nicht wahrgenommen würden.

Auf Rügen hat sich die Zahl der Hausbesuche nahezu halbiert, seit die Notfallpraxis am Bergener Sana Krankenhaus besteht. Auf ähnliche Effekte setzt die Vereinigung auch an den neuen Standorten. Dennoch werde es weiterhin das bisherige Bereitschaftsdienstmodell und damit auch Hausbesuche geben - für diejenigen, deren Erkrankung es nicht zulasse, dass sie die Praxis des Bereitschaftsarztes oder eine Notdienstpraxis aufsuchen, betont Eckert. Bei lebensbedrohlichen Notfällen sei allerdings der Rettungsdienst, der telefonisch unter der 112 alarmiert wird, der einzig richtige Ansprechpartner.

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