Berlin diskutiert ein Aussteigerprogramm : Notausgang für Rocker

 <fettakgl>Gründen die Hells Angels</fettakgl> sich neu? In einer Gaststätte in Potsdam versammelten sich  rund 100 Mitglieder der Rockergruppe. Die Polizei ist alarmiert. <foto>dpa</foto>
1 von 2
Gründen die Hells Angels sich neu? In einer Gaststätte in Potsdam versammelten sich rund 100 Mitglieder der Rockergruppe. Die Polizei ist alarmiert. dpa

Sie handeln mit Drogen und mit Frauen. Sie verkaufen Waffen und treiben Schutzgelder ein. Kriminelle Rockerbanden haben die Polizei im vergangenen Jahr in Atem gehalten. Nun wird über ein Aussteigerprogramm diskutiert.

svz.de von
28. Januar 2013, 07:17 Uhr

Potsdam | Sie handeln mit Drogen und mit Frauen. Sie verkaufen Waffen und treiben Schutzgelder ein. Kriminelle Rockerbanden haben die Polizei in Brandenburg und Berlin im vergangenen Jahr in Atem gehalten. Nun wird in der Bundeshauptstadt über ein Aussteigerprogramm für Rocker diskutiert.

In Brandenburg beobachte man das mit Interesse, sagt Frank Adelsberger vom Landeskriminalamt (LKA). Der Dezernatsleiter für schwere und organisierte Kriminalität befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema. In keinem Bundesland gebe es bislang solche Programme speziell für Rocker, sagt Adelsberger. Wollen Rocker aussteigen und zu Geschäften und Machenschaften aussagen, brauchen sie Betreuung durch die Polizei, sagt Adelsberger. Für sie findet dann eine Regelung Anwendung, die als Kronzeugenregelung bekannt ist und sie werden in Zeugenschutzprogramme aufgenommen. Wie diese genau funktionieren, kann der Polizist nicht sagen. Zu groß die Gefahr, dass die Maßnahmen unterlaufen werden könnten.

Dabei komme es darauf an, wie eng der Rocker in die Strukturen eingebunden sei. Neben den Banden gibt es noch Unterstützerorganisationen, wie die Brigade 81 beispielsweise. Das können, sagt Adelsberger, beispielsweise Schlägertrupps sein, die die schmutzige Arbeit für den unterstützten Club erledigen. Hier auszutreten, wäre einfacher, als aus einem der großen Rockerclubs auszutreten.

Wer sich allerdings von den richtigen Clubs lossagen will, hat es schwerer. In Brandenburg sind drei Clubs aktiv. Die Hells Angels, die Bandidos und das Gremium MC. MC steht für Motorcycle Club. Sich aus diesen Strukturen zu lösen, sei schwierig. Hier sind Verpflichtungen der Mitglieder deutlich strikter. Die Szene ist verschwiegen, für ihre Geschäfte brauchen sie keine Rummel.

Ab und an komme es vor, dass Rocker die Szene verlassen, sagt Adelsberger. Besonders häufig passiere das aber nicht. Teilweise geschehe das im Einvernehmen mit den Clubs ohne viel Aufsehen. Lösen sich beispielsweise Clubs wie die Hells Angels in Potsdam im Juni in vergangenen Jahres oder Bandidos in Hennigsdorf (Oberhavel) auf, kehren bei einer Neugründung nicht zwangsläufig alle Mitglieder zurück. Zuz geläuterten Bürgern werden die Aussteiger trotzdem nicht. Das Gros bleibt weiter in kriminelle Geschäfte verwickelt, dann nur ohne Bandenzugehörigkeit. Um ins Zeugenschutzprogramm zu kommen, muss der Rocker der Szene aber endgültig den Rücken kehren, erklärt Adelsberger. Im Berliner Vorstoß könne er bislang keine neuen Ansätze erkennen. "Man kann nicht viel Neues erfinden", sagt Adelsberger. In Brandenburg zählt das LKA zwischen 360 und 400 Mitglieder von Rockerclubs - Tendenz sinkend. "2011 waren es noch über 400", sagt der Dezernatsleiter. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei ein halbes dutzend Mal Vereinsheime, Wohnungen und Lokale durchsucht. Die Szene geriet unter Druck. Von langer Dauer war das aber nicht. Bereits elf Tage nachdem sich die Ortsgruppe Hells Angels in Potsdam aufgelöst hatten, ist ein neues Chapter gegründet worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen