zur Navigation springen

Nordosten will Kappung von Werft-Hilfen verhindern

vom

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2010 | 07:56 Uhr

Schwerin/Berlin | Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) macht Druck: "Ich erwarte, dass die Bundeskanzlerin diese Entscheidung wieder aufhebt", sagte er gestern gegenüber unserer Redaktion. Zuvor hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) eine Fortführung des Deutschlandfonds und damit eines Bürgschaftsrahmens von bis zu 90 Prozent im Schiffbau abgelehnt, für die sich die SPD-CDU-Landesregierung gemeinsam mit den anderen Nordländern immer eingesetzt hatte. Brüderles Ankündigung sei leider alles andere als die dringend erforderliche Grundentscheidung, den Werften durch die Krise zu helfen, so Sellering. Die Werften im Nordosten benötigten besondere Unterstützung bei der Finanzierung, damit sie im Wettbewerb gegen ausländische Werften bestehen können. "Die Entscheidung des Bundeswirtschaftsministers wäre schädlich" sagte der Regierungschef.

Auch Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) - dessen Haus den Eingang eines entsprechenden Schreibens Brüderles bestätigte - äußerte sich ähnlich: "Die Finanz- und Wirtschaftskrise für beendet zu erklären wäre falsch. Die maritime Industrie, insbesondere der Schiffbau und die Zulieferbetriebe sind von den Folgen der Krise weiter betroffen, die Finanzierung neuer Schiffbauaufträge ist weiter problematisch." Seidel kündigte an, sich für die Verlängerung der Hilfen einsetzen zu wollen.

Harsche Kritik übte die Gewerkschaft IG Metall Küste. Marktradikalismus helfe in einer Branche mit hoch subventionierten Konkurrenten in Südostasien nicht weiter, sagte Bezirksleiterin Jutta Blankau. Brüderle habe es nicht einmal für nötig gehalten, sich in Brüssel für eine Beibehaltung der Regelung einzusetzen. "Mit seinem ignoranten Vorgehen gefährdet er den langsam fortschreitenden Wandel vom Container- zum Spezialschiffbau in Deutschland", betonte die Gewerkschafterin. Sie befürchte nun, dass sich die Banken bei einem Rückgang der Bürgschaften auf die Höhe von maximal 80 Prozent weiter aus der Schiffbaufinanzierung zurückziehen. Dadurch werde es für die Werften noch schwieriger, dringend nötige Aufträge zu bekommen.

Das sehen die Werften ebenso: "Wir bedauern das sehr und befürchten einen weiteren Rückzug der Banken aus der Schiffsfinanzierung", sagte eine Sprecherin des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM). Schon bislang sei es für die Werften schwierig gewesen, 10 Prozent des Auftragswerts ohne die Abdeckung durch staatliche Bürgschaften bei den Banken zu finanzieren. Nach dem Ende des Deutschlandsfonds müssten nun 20 Prozent bürgschaftsfrei finanziert werden, was entsprechend schwieriger sei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen