Übernahme Nordic Werften : Nordost-Schiffbauer in Euphorie

Foto: Bernd Wüstneck
Christian Schmoll, Geschäftsführer der Rostocker Werft Tamsen Maritim

Jahrelang herrschte in der Schiffbaubranche in MV fast Stillstand. Mit der Genting-Gruppe werden nun endlich wieder Schiffe gebaut

svz.de von
08. Juni 2016, 08:00 Uhr

Die Übernahme der Nordic Werften durch die Genting Gruppe hat die Schiffbaubranche in MV in Aufbruchstimmung versetzt. „Dahinter stecken viele Aufträge für Kreuzfahrtschiffe“, sagte Christian Schmoll, Geschäftsführer der Rostocker Werft Tamsen Maritim.

Der malaysische Multi-Konzern Genting, zu dem auch drei Kreuzfahrt-Reedereien gehören, hatte Mitte Mai die Verträge über den Bau von zehn Schiffen im Wert von 3,5 Milliarden Euro unterzeichnet. „Das ist alles sehr fundiert“, sagte Schmoll. Die Aufträge böten zunächst die Sicherheit, dass die Arbeitsplätze in den bisherigen Nordic Werften in Wismar, Rostock und Stralsund erhalten bleiben.

Die positiven Emotionen der Nordost-Schiffbauer seien völlig gerechtfertigt, sagte Reinhard Lüken vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik. Der Einstieg von Genting sei ein großartiges Signal für den Schiffbau-Standort Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings sei das Projekt sehr ambitioniert, die Herausforderungen vor allem bei der Zeitplanung dürften nicht unterschätzt werden, betonte Lüken.

Bei den Schiffen handele es sich um große Kreuzfahrtschiffe und kleinere Flusskreuzfahrtschiffe. Wie Schmoll weiter sagte, ist mit einem Anteil an der Investitionssumme von rund einem Drittel für die Werften selbst zu rechnen, zwei Drittel gingen an die Ausrüstungsindustrie. Er ging davon aus, dass diese Aufträge die Werften und die Zulieferer für mehrere Jahre auslasten. Zudem gebe es die Möglichkeit, aus der steil ansteigenden Lernkurve beim Neubau der Schiffe Profit zu ziehen und weitere Aufträge zu gewinnen.

Die Zuversicht gelte deshalb nicht nur für die Werften, sondern für die gesamte Ausrüstungs- und Zuliefererindustrie. „Die Branche freut sich, da sie bisher meist ihr Geld im Ausland verdienen musste.“ Zur Ausrüstungsbranche gehören etwa Maschinen- und Anlagenbauer oder Elektrotechniker. Auch die Universitäten und die Studenten würden profitieren. „Die Studenten haben endlich wieder eine berufliche Perspektive in Mecklenburg-Vorpommern, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben“, sagte Schmoll.

Die Rostocker Werft Tamsen Maritim beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. Sie repariert Schiffe der Marine, der Seenotretter oder anderer Behörden. Gleichzeitig würden neue Schiffe gebaut wie im vergangenen Jahr für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

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