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Zusammenschluss endgültig : Nordkirche startet mit erster Krise

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Die Ergebnisse der Abstimmung zur Bildung der gemeinsamen Landeskirche in Schleswig-Holstein, Hamburg und MV wurden verkündet. Ab Pfingstsonntag gibt es nur noch eine evangelische Landeskirche im Norden.

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erstellt am 08.Jan.2012 | 10:04 Uhr

Rostock | Erst gab es stehenden Applaus, dann ein lautes "Großer Gott, wir loben Dich!" Spontan stimmte ein Mitglied der "Verfassunggebenden Synode" der neuen Nordkirche den alten Choral an, als Präses Heiner Möhring in der Warnemünder Yachthafen-Residenz am Samstag die Ergebnisse der Abstimmung über die Bildung der gemeinsamen Landeskirche in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern verkündet hatte: Von den 255 Synodalen stimmten 227 in dritter Lesung für die Verfassung der neuen Kirche. 22 votierten dagegen, 6 enthielten sich. "Nun sind wir diesen Schritt gegangen, haben diesen Schritt geschafft, Gott sei Dank!", sagte der Vorsitzende der gemeinsamen Kirchenleitung, Schleswigs Bischof Gerhard Ulrich.

Damit gibt es ab Pfingstsonntag nur noch eine einzige evangelische Landeskirche in Norddeutschland, die zwischen Helgoland und Usedom 2,3 Millionen Gemeindeglieder zählen wird. Die 478 Jahre alte Pommersche Evangelische Kirche, die 465 Jahre alte Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs und die 35 Jahre alte Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche sind dann Geschichte. Mit einem Festgottesdienst im Ratzeburger Dom soll die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland gegründet werden. Die neue Nordkirche sei eine historische Zäsur, die "von Bedeutung für die Entwicklung des Protestantismus in unseren Land und für das Zusammenwachsen zwischen Ost und West" sei, sagte Ulrich. "Ich bin erleichtert über die Entscheidung der Synodalen", erklärte der mecklenburgische Landesbischof Andreas von Maltzahn. Nun könne sich die Kirche wieder ihrer eigentlichen Arbeit zuwenden.

Anders äußerte sich der mecklenburgische Synodale Lutz Decker: "Natürlich bin ich auch ein kleines bisschen traurig." Noch auf der Warnemünder Tagung gab er sich als Gegner der Kirchenfusion zu erkennen. Doch auch er wolle sich nun auf den Weg in die Nordkirche machen und die gemeinsame Kirche kritisch begleiten.

Eine Gelegenheit dazu hatte Decker noch am gleichen Abend. Denn in Warnemünde erlebte die neue Nordkirche auch ihre erste Krise. Die Überleitung der vier Bischöfe in die neue Kirche, eigentlich nur eine Formalie, scheiterte im ersten Anlauf: Nur 176 Synodale sprachen sich dafür aus, 76 waren dagegen. Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit war verfehlt. Schuld daran war nach Ansicht vieler Synodaler die Debatte um die Amtszeitverlängerung des Pommerschen Bischof Hans-Jürgen Abromeit. In Warnemünde war dieser Streit noch einmal sichtbar geworden: Eine Sondersynode der Pommern tagte bis tief in die Nacht, Teilnehmer sprachen von einer hoch emotionalen Sitzung. Und als am Samstagabend ein "Mecklenburger Abend" auf dem Programm stand, war niemandem so recht nach Feiern zumute. Stattdessen musste nun auch die gemeinsame Nordkirchen synode eine Nachtsitzung einlegen - im zweiten Anlauf einigten sich die Kirchenparlamentarier doch noch darauf, ihre Bischöfe mit in die Nordkirche zu nehmen. "Es wäre ein Desaster geworden, wenn wir die Debatte nicht in dieser Form aufgearbeitet hätten", sagte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs. Der Nordkirchenkritiker Decker hingegen warf der Synode vor, einen einmal gefassten Beschluss "mit einem doppelten Salto und einem Riesenfall am Reck passend zu machen."

Hans-Jürgen Abromeit bezog die Abstimmungsniederlage nicht auf seine Person. Er sieht die Frage der Verlängerung seiner Amtszeit längst gelöst. "Die Pommersche Synode hat in einem Beschluss erklärt, dass sie zu ihrem Bischof steht", sagte er. In Pommern sei es im Übrigen "gar nicht ungewöhnlich, dass es ein gewisses Verworfensein in der Synode" gebe, unter dem "ich auch persönlich leide."


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