Wismar / Rostock : Nordic Yards entlässt 500 Schiffbauer

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Nach P+S-Pleite in Stralsund jetzt erneut Massenentlassungen

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01. September 2015, 21:00 Uhr

Der Schiffbauer Nordic Yards hat den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. In einem internen Brief an alle Mitarbeiter schrieb der Vorsitzende der Geschäftsführung, Herbert Aly,  dass sich die Märkte weniger dynamisch entwickelt haben als geplant, etwa das Geschäftsfeld Öl und Gas. „Aufgrund des niedrigen Ölpreises sind in diesem Bereich derzeit alle Investitionen gestoppt worden, d.h. es gibt auch keine Bestellungen für Spezialschiffe“, heißt es wörtlich. Auch  Märkte  wie Offshore-Plattformen, wo Nordic Yards inzwischen Marktführer ist, seien von politischen Rahmenbedingungen negativ beeinflusst. Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland seien weiter ein entscheidendes Hemmnis für neue Aufträge.

In der Landesregierung spricht man von 500 Arbeitsplätzen, die wegfallen. „Wir können diese Zahl nicht bestätigen“, sagte Unternehmenssprecher Stefan Sprunk. Herbert Aly kündigte eine Betriebsversammlung an: „Klar ist  schon heute, dass wir bis 2020 radikal umbauen müssen.“ Derzeit  hat Nordic Yards in Wismar, Warnemünde und Stralsund 1400 Mitarbeiter. 

Gute Chancen sieht das Unternehmen   im Geschäft der Kreuzfahrer. „Darauf werden wir uns in den nächsten Tagen und Wochen sehr intensiv fokussieren, da die Chancen für einen erfolgreichen Vertragsabschluss positiv sind“, verspricht  Aly. Zu den Referenzen  gehören die beiden  Aida-Schiffe „Aura“ und „Vita“. Den jüngsten Auftrag über zwei Schiffe der Aida-Flotte erhielt der Schiffbauer jedoch nicht. Er ging nach Japan.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) forderte: „Hauptaufgabe bleibt es, neue Aufträge zu gewinnen.“ Das sei im maritimen Bereich  derzeit überall schwierig. Nach der Übernahme der ehemaligen Volkswerft für 1,5 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse der P + S Werften 2014 hatte Nordic Yards zunächst  250 Jobs garantiert, und  weitere 250 versprochen. Im Gegenzug erhielt Werfteigner Witali Jussufow  Kredite und Bürgschaften vom Land. Derzeit ist noch eine Landes-Bürgschaft über 5,8 Millionen Euro für  zwei russische Schiffe offen.

Die IG Metall Küste kritisiert den Personalabbau. „Die Beschäftigten sind das Knowhow des Unternehmens“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

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