zur Navigation springen

Eigner geht fest von Folgeauftrag aus : Nordic-Werft hält an Stellenzusage fest

vom

Hoffnung an der Küste: Für die unter Auftragsnot leidenden Nordic-Yards-Werften in Wismar und Warnemünde bahnen sich nach monatelangen Verhandlungen Folgeaufträge an. Verhandlungen über Dutzende Angebote laufen.

svz.de von
erstellt am 21.Nov.2011 | 07:34 Uhr

Wismar | Hoffnung an der Küste: Für die unter Auftragsnot leidenden Nordic-Yards-Werften in Wismar und Warnemünde bahnen sich nach monatelangen Verhandlungen Folgeaufträge im Anschluss an die beiden im Bau befindlichen Umformerstationen für Offshore-Anlagen an. Das Unternehmen verhandele über mehrere Dutzend Angebote für Schiffbauaufträge, teilte Nordic-Yards-Sprecher Stefan Sprunk gestern in Schwerin mit. "Es gibt eine Vielzahl parallel laufender Projekte", an denen sich Nordic Yards mit "bedarfsgerechten Angeboten" beteilige. Man habe "schlüssige Konzepte" vorgelegt, die auch finanzierbar seien. Die Schiffbaufinanzierung sei zwar nach wie vor "ein schwieriger Prozess", sagte Sprunk. Mit "intelligenten Konzepten" und auch "mit Hilfe des Landes" sei das Problem aber lösbar. Wann mit einem Abschluss gerechnet werden könne, ließ er offen. Nur so viel: Nordic Yards gehe fest von Folgeaufträgen aus, sagte Sprung.

Auch halte man daran fest, dass alle 935 Mitarbeiter an beiden Standorten weiter beschäftigt werden können. "Es gibt keine anderen Szenarien", erklärte Sprung. Nordic Yards halte auch an der mit der IG Metall getroffenen Vereinbarung fest, an beiden Standorten mindestens 1200 Arbeitsplätze zu schaffen. Das sei allerdings von neuen Bestellungen abhängig. Bei neuen Aufträgen, die auch finanziert seien, würden zusätzliche Mitarbeiter gebraucht, erklärte Sprunk.

Werfteigner Witali Jussufow hatte sich in einem mit der Gewerkschaft ausgehandelten Beschäftigungspakt je nach Auftragslage zu mindestens 1200 Jobs in Wismar und Warnemünde verpflichtet. Die ehemalige Belegschaft der Werften hatte der Vereinbarung im Frühjahr 2010 nahezu geschlossen zugestimmt, um einer drohenden Schließung Mitte 2010 zu verhindern. Insgesamt waren in Wismar und Warnemünde einmal 2400 Werftarbeiter beschäftigt. Bislang konnte sich Jussufow, der die beiden Standorte nach dem Zusammenbruch der einstigen Wadan-Werften 2009 übernommen hatte und einen Neuanfang wagte, mit dem Bau eines 100 Millionen Euro teuren eisbrechenden Tankers für den russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel, der Fertigstellung eines Containerschiffes, der weltgrößten Fähre für die Stena-Reederei, gelegentlichen Reparaturaufträgen und den beiden Offshore-Plattformen für den Siemens-Konzern über Wasser halten. Langsam wird es aber eng.

Interessante Gespräche mit Auftraggebern

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hatte vor Kurzem Werfteigner Jussufow aufgefordert, für Folgeaufträge zu sorgen und Hilfe des Landes angeboten. Der Bau von zwei Plattformen reiche nicht, um die Werften über die Zeit zu bringen. Angesichts des auf Werften üblichen Vorlaufs von einem halben Jahr seien Entscheidungen notwendig. Glawe zufolge liefen "interessante Gespräche" mit Auftraggebern.

Noch herrscht aber Ebbe im Orderbuch der beiden Werften. Spätestens Ende 2012 geht dem russischen Eigner die Arbeit aus. Folgeaufträge sind indes schwer zu haben. Nach dem Abschied vom Massenschiffbau beispielsweise für Containerfrachter rangeln sich mittlerweile die meisten deutschen Schiffbaubetriebe um Spezialaufträge - in der Nische wird es langsam eng. Nur: Während Jussufow nach wie vor in der Angebotsphase steckt, haben die beiden P+S-Werften in Stralsund und Wolgast in den vergangenen Monaten einen Auftrag nach dem anderen an Land gezogen. Orderbestand: mehr als 20 Spezialschiffe mit einem Auftragswert von fast einer Milliarde Euro. Neben Schiffbauaufträgen vor allem vom russischen Markt spekuliert Nordic Yards offenbar auch auf Folgeaufträge vom Siemenskonzern für weitere Umformer stationen. Wie es hieß, verhandelt der Technologiekonzern derzeit über den Bau von weiteren Plattformen. Auch ist man offenbar mit den Arbeiten in Wismar und Warnemünde an den bisherigen Plattformen - geschätzter Auftragswert: rund 460 Millionen Euro - sehr zufrieden. Der Einsatz könnte lohnen: In den kommenden Jahren sollen international mindestens 160 Offshore-Windparks gebaut werden.

Neben Offshore-Aufträgen setzt Jussufow mit dem Bau von eisgehenden Schiffen, Passagierschiffen und Fähren sowie anderen Spezialschiffen auf Spezialisierung. "Wir bauen keine Schiffe mehr von der Stange", meinte Firmensprecher Sprunk. Allerdings erschwere dieser Kurs auch die Auftragssuche. Nordic Yards habe daher sowohl das Vertriebsressort als auch die Konstruktionsabteilung weiter verstärkt und gehe anders als zuvor aktiv auf die Schiffbaumärkte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen