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Ostseepipeline : Nord Stream forciert Pläne für Erweiterung

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Nord Stream treibt Pläne für den Bau eines dritten und vierten Leitungsstranges der Ostseepipeline voran. Eine Entscheidung steht noch aus. Auch sind die Stränge eins und zwei bislang nur zur Hälfte ausgelastet.

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2013 | 10:31 Uhr

Zug/Lubmin | Das Firmenkonsortium Nord Stream forciert Pläne für den Bau eines dritten und vierten Leitungsstranges der Ostseepipeline - obwohl die Erdgas trasse nur zur Hälfte ausgelastet ist. Nach Angaben des Unternehmens wurde gestern ein 63-seitiges Projektinformationsdokument der internationalen Espoo-Gruppe im Ostseeraum zugestellt. Dieses Dokument sei eine erste Basis für das internationale Konsultationsverfahren, das für den Bau der Pipeline eingeleitet werden müsse, sagte Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert. Zudem hätten die deutschen Genehmigungsbehörden das Dokument ebenfalls gestern an ausgewählte Träger öffentlicher Belange versandt.

Eine Investitionsentscheidung für den Bau von zwei zusätzlichen Leitungssträngen steht noch aus. Die Anteilseigner, führend dabei der russische Energiekonzern Gazprom, hatten Nord Stream 2012 aufgefordert, eine entsprechende Projektstudie zu erarbeiten. Eine neue Gesellschaft, die das Projekt übernehmen soll, sei in Planung und soll in den kommenden Monaten gegründet werden, hieß es.

Seit November 2011 flossen nach Angaben von Nord Stream rund 17,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch den ersten und den zweiten Strang der Ostseepipeline. Derzeit ist die Pipeline nach Nord-Stream-Angaben aber erst zu 50 Prozent ausgelastet. Sollten die Anteilseigner grünes Licht geben, müssten Transitländer wie Weißrussland und Polen um Durchleitungsgebühren bangen. Gazprom könnte mit einem dritten und vierten Strang die Gasströme noch flexibler lenken.

Nord Stream begründet den Ausbau mit vertraglichen Vereinbarungen zwischen russischen und europäischen Energiegas-Firmen. Dazu sei eine robuste Pipeline-Infrastruktur erforderlich. Der Bau der ersten beiden Stränge zeige, dass der "unterseeische Gastransport durch die Ostsee aus ökologischer, technischer und wirtschaftlicher Sicht eine nachhaltige Lösung zur Deckung des europäischen Erdgasbedarfs" sei. Bislang hat die Pipeline 7,4 Milliarden Euro gekostet. Mit dem Bau eines dritten und vierten Stranges soll die Kapazität auf 110 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppelt werden.

Die Stränge sollen rund 1250 Kilometer von Russland durch die Ostsee nach Deutschland führen und damit 25 Kilometer länger sein als Strang eins und zwei. Als deutsche Anlandepunkte werden Lubmin und Vierow im Greifswalder Bodden favorisiert. Für Russland werden Kolpangya und Kurgalsky südlich des jetzigen Standpunktes Portowaja ins Auge gefasst.

Die Trasse soll weitestgehend parallel durch die Hoheitsgewässer von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland führen. Die Espoo-Konvention verpflichtet die Ostsee-Anrainerstaaten zur gegenseitigen Benachrichtigung und Konsultation über alle geplanten Projekte, die voraussichtlich grenzüberschreitende Umweltauswirkungen nach sich ziehen.

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